CSU-Landrätin Gabriele Pauli: "Man braucht im Leben keine Angst zu haben"

Die Fürther Landrätin Gabriele Pauli, seit Wochen wegen ihrer Kritik an CSU-Chef Edmund Stoiber in den Schlagzeilen, spricht in der ZEIT darüber, warum sie so unerschrocken handelt. Sie habe ein gewisses "Gottvertrauen" entwickelt, sagt die 49-Jährige der ZEIT. "Man braucht im Leben keine Angst zu haben, vor nichts", beschreibt Pauli ihre Erfahrung, "und das macht einen frei." "Man hat im Leben vor Dingen Angst, obwohl man immer gesichert ist", sagt die allein erziehende Mutter, "wir sind alle gesichert, wir fallen nicht." Sie habe auch Tiefen erlebt, aber "das sind gute Phasen im Leben, weil sich da was klärt. Ich lerne immer weiter." Ihre Äußerungen im Führungsstreit der CSU seien nicht gegen den bayerischen Ministerpräsidenten Stoiber persönlich gerichtet. "Ich kämpfe eigentlich nicht gegen ihn", sagt Pauli der ZEIT, "mein Ziel ist, dass die Leute wieder freier werden zu sagen, was sie denken." Wer Angst habe, "verhält sich nicht mehr so, wie’s der eigenen Wahrheit entspricht". Trotz des Drucks seitens der Parteiführung, bleibe sie unbeirrt. "Man versucht, mich klein zu kriegen", sagt das CSU-Vorstandsmitglied, aber "ich weiß: Was ich sage, ist richtig."

Der Deal des Peter Hartz: Keine Huren vor Gericht

Der frühere VW-Personalvorstand Peter Hartz (65) hat mit der Staatsanwaltschaft Braunschweig einen Deal ausgehandelt, der ihn davor bewahren soll, dass in seinem Gerichtsprozess Prostituierte als Zeugen auftreten, berichtet die ZEIT. Vom 17. Januar an muss sich Hartz als Angeklagter vor dem Landgericht Braunschweig wegen des Verdachts auf Untreue und Begünstigung eines Mitglieds des Betriebsrates verantworten. Weder Zeugen noch Sachverständige sind dazu geladen. "Wir lassen keine Prostituierten aufmarschieren", sagt die Braunschweiger Oberstaatsanwältin Hildegard Wolff der ZEIT, "und im Gegenzug führt Hartz sein Geständnis über die Sonderbonuszahlungen genau aus." Der frühere Chef des VW-Betriebsrates, Klaus Volkert, soll auf Anweisung von Hartz fast zwei Millionen Euro Sonderboni erhalten haben, angeblich ohne sachlichen Grund. Für Bordellbesuche sind nach Erkenntnissen der Ermittler nur wenige tausend Euro aus der Firmenkasse gezahlt worden. "Ein paar tausend Euro tausche ich gegen zwei Millionen", so die Oberstaatsanwältin. Die Ankläger sind sich sicher, dass Hartz sich in seinem Prozess an die Abmachung halten werde, weil er so große Angst vor dem Thema Bordellbesuche habe. Schon während seiner Vernehmung im vergangenen Oktober brachte er kein Wort über Huren heraus, weil ihm das alles so peinlich war. Sollte Hartz sich im Prozess nicht an die Vereinbarung mit den Staatsanwälten halten, "wird es wohl auf eine richtige Hauptverhandlung hinauslaufen, mit richtig vielen Zeugen", so Oberstaatsanwältin Wolff.

Regisseur Levy erwartet "Tsunamiwelle der Kritik"

Für Dani Levy, Regisseur der Hitler-Komödie "Mein Führer", ist dieser Film Ausdruck seines Traums: "Ich könnte für dieses eine Mal die Regeln des Nationalsozialismus bestimmen, ich könnte mit subversiver Fantasie in die Geschichte eingreifen, ich schriebe den Nazis die Texte und lieferte sie ans Messer." Der ZEIT sagt Levy: "In meinem Film bin ich Gott und stehe über Hitler. Ich weiß, dass das an der Katastrophe nichts mehr ändern wird, aber ich habe die Kraft, neue Bilder zu schaffen." "Mein Führer" sei vielleicht "der persönlichste Film geworden, den ich bisher gemacht habe". Seine Beschäftigung mit seinen Ängsten, dem "nie durchbrochenen Schweigen meiner Mutter über die Gräuel der Vergangenheit", mit "den Schmerzen durch die Vernichtung meiner Vorfahren" und mit "den Bildern vom Holocaust, die ich nicht loswerde", mache er mit diesem Film öffentlich, "indem ich dem System des Nationalsozialismus zutiefst subjektiv begegne. Für mich ist das ein großer Schritt in die Welt. Da geht der kleine Dani raus in die brutalste Vergangenheit, ohne zu wissen, ob er dafür warm genug angezogen ist." Im Prozess des Filmemachens durchlaufe man "viele Phasen der Verunsicherung ... der nachträgliche Erklärungsbedarf der euphorischen Uridee tut immer weh". Deswegen seien auch "die Phasen der Diskussion mit Verleihern, Kinobetreibern und Zuschauern so anstrengend. Die Frage ist: Hältst du aus, was du im Film behauptest, wenn du von draußen Gegenwind bekommst?" Jeder Film sei "eine Einschätzung der eigenen Kräfte. Bin ich wirklich vorbereitet, mit Holocaust-Überlebenden zu diskutieren, der Political Correctness dieses Landes zu begegnen und aus allen Ecken die Bedenkenträger zusammenzutrommeln, die sich gegen mich verschwören?" Levy: "Wenn die Tsunamiwelle der Kritik über mich hereinbricht, muss ich manchmal stärker sein, als ich eigentlich bin." Die Filmkomödie "Mein Führer – die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler" von Dani Levy läuft diese Woche in Deutschland an.