Habermas: Bundespräsidentenwahl ist ein "Skandal"/ Plädoyer für Gesine SchwanDer Philosoph Jürgen Habermas hat das Verhalten der beiden Parteivorsitzenden Angela Merkel (CDU) und Guido Westerwelle (FDP) im Vorfeld der Bundespräsidentenwahl scharf kritisiert. Zu der Art und Weise, wie Merkel und Westerwelle Anfang März ihren gemeinsamen Kandidat Horst Köhler benannt hatten, schreibt Habermas in der ZEIT: "Das von beiden Seiten kurzsichtig und karrierebewusst betriebene Ränkespiel hat nicht nur mit Schäuble Schindluder getrieben, es musste den Kandidaten selbst beschädigen." Köhler selbst treffe keine Schuld, dennoch sei es problematisch, dass der Kandidat breiten Schichten völlig unbekannt sei: "Diesen Strippenziehern (Merkel und Westerwelle) war nicht nur die Institution des Bundespräsidenten wurscht, wurscht war ihnen auch das berechtigte Interesse der Bürger an der Person, die in der Weltöffentlichkeit im Namen aller Deutschen auftreten wird."Indirekt plädierte Habermas für die Wahl der SPD-Kandidatin Gesine Schwan. Zwar sei auch sie nur wenigen Menschen bekannt gewesen. Aber anders als Köhler versuche sie wenigstens, sich einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. "Sie schlägt sich bravourös und beeindruckt durch Geistesgegenwart, souveräne Kenntnisse und glänzende Argumente. Sie hat vor allem ein überzeugendes politisches Temperament", so Habermas. Der eigentliche "Skandal" in der Nominierung Köhlers bestehe darin, "dass die Westerwelles nun auch noch mit einem passend zurechtgestutzten Image des Bundespräsidenten für eine Politik werben möchten, die zentrale gesellschaftliche Bereiche einer Regulierung durch den Markt überlässt - und damit aus ihrer eigenen, demokratisch kontrollierten Verantwortung herausnimmt".Präsident des Bundesverfassungsgerichts: Das Folterverbot gilt absolutDer Präsident des Bundesverfassungsgerichts Hans-Jürgen Papier hat sich gegen eine Aufweichung des Folterverbots ausgesprochen. Gegenüber der ZEIT sagte er: "Die Menschenwürde gilt absolut, sie ist nicht abwägungsfähig." Sie kenne keine Einschränkungen oder Relativierungen - weder im Umgang mit Terrorverdächtigen noch in anderen prekären Rechtssituationen. "Für das Gericht und für mich persönlich gibt es nicht den Hauch eines Zweifels, dass der Schutz der Menschenwürde unverbrüchlich ist."Papier, der Mitherausgeber des bedeutendsten Grundgesetzkommentars ist, reagierte damit auf eine aktuelle juristische und politische Debatte. In der neuesten Interpretation des Artikel 1 des Grundgesetzes hieß es in diesem Kommentar, die Menschenwürde sei durchaus abwägungsfähig, wenn es etwa um die Lebensrettung von Entführungsopfer gehe wie im Fall des ermordeten Frankfurter Bankierssohns Jakob von Metzler. Papier distanzierte sich ausdrücklich von dieser Interpretation: "Ich bitte zu beachten, dass die Äußerung eines wissenschaftlichen Autors noch nicht die Rechtslage verändert."Ökonom Peter Bofinger: Regierung soll Staatsausgaben erhöhenDer Würzburger Wirtschaftsweise Peter Bofinger rät der Regierung, trotz der Haushaltslöcher die Staatsausgaben zu erhöhen. "Es wäre viel gewonnen, wenn wir ein mittelfristiges Ausgabenziel hätten", sagte er in einem Streitgespräch mit Hans-Werner Sinn, dem Chef des Münchener Wirtschaftsforschungsinstitutes Ifo, in der ZEIT. Bofinger plädiert dafür, die Ausgaben, die der Staat steuern kann, jährlich um 1,5 oder 2 Prozent steigen zu lassen - unabhängig von der Konjunktur. "Jetzt den Sparkurs zu verschärfen, wäre falsch."Sinn dagegen verlangt weitere Kürzungen bei den Renten und "den anderen Sozialausgaben, die gigantische 500 Milliarden Euro verschlingen", um die neuen Löcher zu stopfen. "Etwa 40 Prozent der Erwachsenen leben heute von staatlichen Transfers", so Sinn. "Das halten wir nicht durch." Das mittelfristige Ausgabenziel sei "verfehlt". Denn niemand wisse, ob Deutschland überhaupt noch ansehnlich wachsen könne. Darüber hinaus gebiete der Stabilitätspakt einen strikten Sparkurs.Die Wirkung von Konjunkturprogrammen beurteilt Ifo-Präsident Sinn skeptisch: "Selbst wenn durch expansive Fiskalpolitik jetzt ein Superboom erzeugt würde, hätte Deutschland nicht viel davon. Die Arbeitslosigkeit läge dann immer noch bei 3,8 Millionen Menschen. Nur ein Siebtel der Arbeitslosigkeit ist konjunkturell bedingt."Palast der Republik und Berliner Schloss zukünftig einsDer Architekt Jacque Herzog plädiert in der ZEIT für den Erhalt des Palastes der Republik in Berlin. "Der Palast hat eine eigene Faszination, eine hässliche Schönheit, die der Stadt Berlin etwas Spezifisches verleiht," sagt Herzog. Bei dem Baumeister aus Basel sind der Wiederaufbau der Dresdener Frauenkirche, die Hamburger Philharmonie und das neue Münchener Fußballstadion in Arbeit. Die neuste Idee des 54-jährigen: eine Verbindung und Rekonstruktion des Berliner Schlosses mit dem Palast der Republik. Herzog: "Beides sind Ikonen der Stadt, und es wäre einen Versuch wert, diesen Ort nicht nur aus der Optik des einen oder anderen Baus anzuschauen."Der Moderne sei es nicht gelungen neue Standards zu etablieren: "Wir sind heute ohne Tradition – ohne verbindliche Regeln und ohne ideologischen Mahnfinger. Das ist der Grund, weshalb es heute so viel Hässliches gibt in den Städten, aber zugleich bietet es eine bisher nie dagewesene Chance für Außergewöhnliches und Neues," sagt Herzog.Umfrage: Juniorprofessoren verlieren das RennenJuniorprofessoren haben wesentlich schlechtere Chancen auf eine akademische Karriere als die Emmy-Noether-Stipendiaten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) – das ist das Fazit einer aktuellen Umfrage der Jungen Akademie, einem Zusammenschluss von Nachwuchswissenschaftlern, die der ZEIT vorliegt. "Die Juniorprofessoren sind in vielen Fällen nicht wettbewerbsfähig, die Emmy-Noether-Stipendiaten dagegen schon", sagt Katharina Landfester, Sprecherin der Jungen Akademie.Juniorprofessoren sind deutlich schlechter ausgestattet als die 500 Noether- Stipendiaten; 56 Prozent der Junioren in den Naturwissenschaften und sogar 89 Prozent in den Sozialwissenschaften haben keine wissenschaftlichen Mitarbeiter. Bei den Noetherianern sind es weniger als 4 Prozent. Auch beim Laborpersonal stehen die Stipendiaten besser da.Nur die Hälfte der Juniorprofessoren ist mit der eigenen Ausstattung zufrieden; unter den Noetherianern sind es 80 Prozent. Außerdem ist ihr Forschungsbudget höher. Die Umfrage attestiert "eine bedenklich schlechtere Startposition für Nachwuchswissenschaftler, die sich auf einer Juniorprofessur befinden", als für Jungakademiker in der Noether-Spur, sagt Landfester. "Die Juniorprofessoren verlieren das Rennen."Jan Josef Liefers: "Im Kern bin ich Patriarch"Der Schauspieler Jan Josef Liefers, 39, träumt davon, schwanger zu sein. Der ZEIT sagt er: "Darüber wüsste ich gerne mehr – wie es sich anfühlt, schwanger zu sein, zu erleben, wie in mir ein Mensch heranwächst, jemanden aus meinem Körper heraus zu ernähren." Liefers wäre dennoch "nicht gerne eine Frau". Frauen seien ihm vertraut. "Deshalb ist es erstaunlich, wie fremd sie mir manchmal werden können ... Im Kern bin ich Patriarch."Die Trennungen von seinen Frauen seien unausweichlich gewesen. "Natürlich waren die Frauen schuld, jedenfalls zum größten Teil. Man kann ganz prächtig mit mir auskommen, auch ein Leben lang", sagt Liefers. Für den dreifachen Vater seien dabei die Trennungen von den Kindern immer "hart, verzweifelt und traurig" gewesen: "Auch heute habe ich jedes Mal ein flaues Gefühl im Bauch, es fühlt sich an wie schlechtes Gewissen, vermischt mit Heimweh und Schuldkomplexen."Über das Altwerden sagt der Grimme Preisträger Liefers: "Anstatt Johannes- Heesters-mäßig bis zuletzt die Leute zu beglücken, verabschiede ich mich rechtzeitig von der Schauspielerei und mache ganz was anderes. Fotografie vielleicht oder nur noch Musik, Regie oder Schreiben."Für Rückfragen stehen Ihnen Elke Bunse oder Iljane Weiß, ZEIT-Presse-und Öffentlichkeitsarbeit, (Tel.: 040/ 3280-217, Fax: 040/ 3280-558, E-Mail: bunse@zeit.de bzw. weiss@zeit.de) gern zur Verfügung.