Pentagon-Geheimbüro schickte überzogene Irak-Berichte ans Weiße HausCIA-Mitarbeiter unter Druck gesetzt / In der ZEIT äußern sich erstmals ZeugenEin geheimes Büro im amerikanischen Verteidigungsministerium hat vor dem Irakkrieg überzogene Meldungen über Saddam Husseins Waffenarsenale gezielt ans Weiße Haus geschickt. In der ZEIT äußern sich erstmals Geheimdienstler darüber, wie unter der Regie von Vizepräsident Dick Cheney systematisch aufgebauschte Berichte angefertigt wurden.Im so genannten " Office of Special Plans" des Pentagons seien seit August 2002 sämtliche Dossiers über den Irak mit vorgefertigten Textbausteinen versehen worden, berichtet eine ehemalige Mitarbeiterin des Ministeriums. Darin habe es unter anderem geheißen, Saddam Hussein arbeite mit Osama bin Laden zusammen und habe Kontakt zu den Attentätern des 11. September.Die Berichte des Spezialbüros seien nicht, wie sonst üblich, anderen US-Nachrichtendiensten zur Prüfung vorgelegt worden, sondern direkt im Weißen Haus gelandet. Hauptquelle der Pentagon-Abteilung waren irakische Überläufer, die selbst ein Interesse am Sturz Saddam Husseins hatten.Geheimdienstler der Central Intelligence Agency (CIA), welche die Dossiers des Spezialbüros für falsch hielten, seien unter Druck gesetzt worden, politisch konforme Einschätzungen zu verfassen, berichteten mehrere ehemalige Mitarbeiter der Behörde. Andere US-Nachrichtendienste, wie die des Außen- und Energieministeriums, hatten den Schreckensmeldungen aus dem Rumsfeld-Ministerium zwar ausdrücklich widersprochen, ihre Darstellungen gingen jedoch nicht in die Gesamtanalyse über den Irak ein. Auf Grundlage dieser Gesamtanalyse hatte der US-Kongress dem Krieg zugestimmt.Schriftsteller Faraj Sarkohi: Teherans Atomwaffen-Verzicht ist nicht glaubwürdigDie Beteuerungen der iranischen Regierung, sie wolle auf den Bau einer Atombombe verzichten, seien nicht glaubwürdig, erklärt der iranische Schriftsteller Faraj Sarkohi in der ZEIT. "Der Iran hat zahlreiche Gründe, den Besitz von Atomwaffen anzustreben. Sie liegen in der iranischen Geschichte, der geopolitischen Lage des Landes und der Psychologie der Bevölkerung", schreibt er. Sarkohi war 1996 wegen seiner Opposition gegen das Mullah-Regime in Teheran zum Tode verurteilt worden. Nach internationalen Protesten durfte er 1998 nach Deutschland ausreisen.Am 21. Oktober hatte die Regierung Irans den Außenministern Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens zugesagt, sie werde das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag unterzeichnen und den Inspekteuren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) freien Zutritt zu den iranischen Atomanlagen gewähren. Sarkohi warnt die Europäer jedoch davor, diesen Erfolg zu überschätzen. Das Regime wolle einen Keil zwischen die USA und Europa treiben und die Welt mittelfristig vor vollendete Tatsachen stellen. "Das Beispiel Nordkoreas, Pakistans und Indiens, die bereits Atomwaffen besitzen, und die Bemühungen Irans und Saudi-Arabiens, es ihnen gleichzutun, zeigen, dass es heute kaum noch möglich ist, die Mitgliedschaft im Club der Atomwaffenbesitzer zu begrenzen", sagt Sarkohi.Matthias Platzeck: "Ich will nach oben"Der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck schreibt in der ZEIT über seinen Wunsch, irdischen Problemen im Weltall entfliehen zu können: "Vielleicht definieren sich die Probleme auf Erden von da oben nur noch als nichtig und klein. Ich will es wissen. Ich will nach oben."In seinem Traum sieht sich Matthias Platzeck als Visionär: "Ich werde das Opfer eines Zeitstrudels, der mich in die ferne Zukunft zieht und mir einen Blick auf mein Land von morgen eröffnet."Politik machen heißt für den Ministerpräsidenten, "dass man sich freiwillig der Mühe unterwirft, mit beiden Beinen fest auf der Erde zu stehen. Visionen spielen in der Politik ja längst nicht mehr die Rolle, wie es vielleicht zu Zeiten der beginnenden Industrialisierung oder in den Epochen zuvor gewesen sein mag.".Alice Schwarzer: Frauen dürfen nicht Vorbild seinFrauen werden Fußballweltmeisterinnen und bestimmen auf allen Ebenen der Politik mit. Warum die Gesellschaft sie trotzdem nicht als Vorbilder akzeptiert, schreibt Alice Schwarzer in der ZEIT:"Männer haben Vorbilder und Idole ... Für Frauen jedoch gibt es ein regelrechtes Verbot, sich als Vorbild zu begreifen oder gar darzustellen. Denn das hieße ja, dass eine Frau sich selbst ernst nimmt.""Wie alles bei Frauen ist auch die Machtfrage sexualisiert .... Mächtige Männer gelten als erotisch, mächtige Frauen als abtörnend ... Frauen müssen sich also entscheiden: Wollen sie Macht haben – oder wollen sie begehrt/geliebt werden?""In Zeiten der Forderung nach Partizipation ist es ein Trick, Frauen auf der Bühne vortanzen zu lassen, während Männer hinter den Kulissen die Strippen ziehen."Peter Eisenman protestiert gegen Baustopp am Holocaust-MahnmalDie NS-Vergangenheit des am Bau des Berliner Holocaust-Mahnmals beteiligten Unternehmens Degussa hat dazu geführt, dass die Stelen vorerst nicht mehr aufgestellt werden. Der Architekt des Mahnmals, Peter Eisenman, protestiert dagegen in der ZEIT.Eisenman: "Unter den vielen heute noch bestehenden deutschen Firmen, die in den Zweiten Weltkrieg verwickelt waren, erwies sich gerade Degussa bei der Aufarbeitung seiner Vergangenheit als Vorreiter und spielt eine führende Rolle bei der Einrichtung eines Entschädigungsfonds für ehemalige Zwangsarbeiter." Der Architekt denkt an die Zukunft: "Wir können heute nicht mehr alle Deutschen für die Sünden ihrer Väter und Großväter verantwortlich machen. Wir müssen nach vorne blicken. Das heißt nicht, dass wir vergessen sollen."Peter Eisenman warnt: "Es geht hier nicht darum, ob Degussa ein besseres Produkt oder ein günstigeres Angebot vorzuweisen hat. Es geht darum, dass wir uns 60 Jahre nach dem Holocaust nicht mehr zu Geiseln der Political Correctness machen lassen dürfen. Wäre das Projekt schon in dem Geist begonnen worden, in dem es nun fortgeführt zu werden droht, hätte ich nie mitgewirkt."Filmregisseur Takeshi Kitano über Gewalt und Mode"Ich halte Dolls für meinen gewalttätigsten Film, denn die Gewalt erfasst hier auch Menschen, in deren Alltag sie normalerweise keine Rolle spielt", sagt der japanische Filmregisseur Takeshi Kitano über seinen neuen Film in der ZEIT. Die Ursache dafür sieht Kitano in der japanischen Gesellschaft: "Ich lebe in einem Land, in dem alles käuflich ist und jeder Familienvater in erster Linie seinem Chef gehört. Es ist eine völlig entkörperlichte, entindividualisierte Kultur."Die "protzsüchtigen" japanischen Yakuza verdanken ihren Modestil Kitano. "Bis vor kurzem trugen sie vor allem Versace", sagt er. "Seit meinem Film Brother kleiden sich die japanischen Gangster nun sehr stilvoll in Yamamoto-Anzüge." Der japanische Filmemacher arbeitet in seinem neuen Film Dolls zum zweiten Mal mit dem Modeschöpfer Yohji Yamamoto zusammen.er große Regisseur Akira Kurosawa ermutigte Kitano zum Filmemachen. Der ZEIT sagt er jedoch: "Ich selbst stehe allerdings zu weit außerhalb der klassischen japanischen Filmtradition, als dass ich Kurosawa als mein Vorbild bezeichnen könnte ... Allerdings bekam ich auch mit, dass er seine Schauspieler wie Kakerlaken behandelte. Er kam aus der Zeit der großen japanischen Studios, in der die Autorität des Regisseurs noch unanfechtbar war. Die Schauspieler waren gewissermaßen Leibeigene der Vision ihres Regisseurs."Für Rückfragen stehen Ihnen Elke Bunse und Iljane Weiß, ZEIT-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (Tel.: 040/3280-217, Fax:040/3280-558, e-mail: bunse@zeit.de bzw. weiss@zeit.de) gern zur Verfügung.