Bundeswehr übt auf Truppenübungsplatz Umgang mit PolitikernDie Bundeswehr bringt ihren für Auslandseinsätze bestimmten Soldaten auf einem streng abgeschotteten Truppenübungsplatz in Sachsen-Anhalt den richtigen Umgang mit Politikern bei. Das berichtet die ZEIT in ihrer jüngsten Ausgabe. Auf dem mit Wachtürmen und Panzerschleusen gesicherten Manövergelände Colbitz-Letzlinger Heide bei Magdeburg übernimmt ein Hauptfeldwebel die Rolle des Volksvertreters. Damit sollen die Soldaten auf den so genannten Abgeordnetentourismus in Krisengebiete vorbereitet werden. In einer Simulation müssen sich die Einsatzkräfte zum Beispiel mit einem gespielten Landtagsabgeordneten auseinandersetzen, der die Truppe an ihrem Einsatzort besucht.Die Soldaten bekommen auch eine Grundausbildung in Polizeiaufgaben: So müssen sie den Umgang mit Schild und Schlagstock lernen wie Polizeischüler bei der Ausbildung für den Bereitschaftsdienst. Damit sollen sie auf den Einsatz bei Straßenunruhen vorbereitet werden.Hintergrund der neuen Ausbildungsinhalte sind die so genannten Märzunruhen im Kosovo, bei denen es den deutschen Soldaten nicht gelang, Pogrome radikaler Kosovo-Albaner gegen die serbische Minderheit zu verhindern.Deutsche Post will bei DHL 1.000 Kuriere durch Subunternehmer ersetzen Die Deutsche Post AG will bei ihrem Tochterunternehmen DHL 1.000 angestellte Expresskuriere durch Subunternehmer ersetzen. Die betroffenen Mitarbeiter sollen über Abfindungen aus der Firma gedrängt werden, im schlimmsten Fall droht ihnen die Entlassung, wie die ZEIT unter Berufung auf interne Unterlagen und Arbeitnehmervertreter berichtet. Als Konsequenz aus den Plänen der Post haben die Arbeitnehmervertreter Gespräche mit dem Management über die Integration der Tochterfirmen DHL , Danzas und Deutsche Post Euro Express vorerst platzen lassen. Die Post bestreitet die Pläne zur Trennung von den Kurieren. Nach Informationen der ZEIT hat die Umstellung jedoch schon begonnen. Es sei infolge des Wechsels zu Subunternehmern zu Beschwerden zahlreicher Firmenkunden gekommen, darunter Konzerne wie die Münchner Rück , Karstadt oder MAN Nutzfahrzeuge . Bei DHL wird intern offenbar befürchtet, dass die Konzerne ihre Zusammenarbeit mit DHL beenden und so jeweils Umsätze im hohen sechsstelligen Bereich wegbrechen könnten. Arbeitnehmerkreisen zufolge soll am 7. und 10. September eine so genannte Einigungsstelle das endgültige Aus der Integrationsgespräche verhindern. Erst im Juni hatten die Post und Verdi einen als "Meilenstein" gefeierten Vorvertrag über die Eckpunkte der Integration geschlossen. Darin hatte sich die Post bereit gezeigt, den Stellenabbau sozialverträglich zu gestalten. Betriebsbedingte Kündigungen wollte der Konzern indes nicht ausschließen. "Von der Forderung nach Beschäf-tigungssicherung rücken wir nicht ab", heißt es daher bei Verdi über die Gespräche in der kommenden Woche.Caroline-Urteil: Medienrechtler sieht keine Gefahr für Pressefreiheit Der Medienrechtler und Anwalt Christian Schertz hält die Reaktion von mehr als 60 deutschen Chefredakteuren auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte für überzogen. Die Entscheidung bedeute keine Gefahr für die Pressefreiheit: "Diejenigen, die das behaupten, haben das Urteil nicht wirklich gelesen." Die Straßburger Richter hatten der Klage von Prinzessin Caroline von Monaco stattgegeben, die verhindern wollte, dass Fotos veröffentlicht werden dürfen, die sie beim Einkaufen und Reiten zeigen. Nach Ansicht von Schertz geht es in dem Urteil nicht um Zensur: "Verboten sollen nur Paparazzi-Bilder von Prominenten sein, die keinen weitergehenden Informationswert enthalten, als dass ihr privater Alltag abgebildet wird. Sind mit dem Bild hingegen legitime Informationsinteressen der Öffentlichkeit berührt, darf man es wie bisher veröffentlichen."Politiker seien von der jetzigen Einschränkung der Berichterstattung über Privatleben in der Öffentlichkeit ausgeklammert, sagt Schertz: "Politiker werden ausdrücklich bei der Straßburger Entscheidung ausgenommen, da bei ihnen das Informationsrecht der Öffentlichkeit weiter geht und sich, so Straßburg, auch auf Aspekte des Privatlebens erstrecken kann. Es kommen also zwei Sachen zusammen: Es handelt sich bei den abgebildeten Personen um Politiker, und es wird nicht etwa nur der private Alltag abgebildet, sondern Dinge, die von öffentlichem Interesse sind."Scherz, der an der FU Berlin Presserecht lehrt, vertritt als Anwalt unter anderen die Freundin von Bundesaußenminister Joschka Fischer im Prozess gegen eine Illustrierte. Tahar Ben Jelloun:
Mehr Exilautoren zur Buchmesse einladen
Der marokkanische Schriftsteller Tahar Ben Jelloun hat in der ZEIT die Frankfurter Buchmesse aufgefordert, für den arabischen Schwerpunkt mehr Exilautoren einzuladen. "Der fatale Irrtum deutscher Verantwortlicher besteht darin, sich an Staaten und nicht an Autoren zu wenden." Denn, so Ben Jelloun, "die Staaten werden nur Autoren zur Buchmesse schicken, die ihnen weder durch Protest noch durch die Entlarvung ihrer Machenschaften unangenehm werden könnten." Kompromisslose Schriftsteller haben es in den unterschiedlichen arabischen Ländern schwer und gehen ins Exil, sobald sie können. "Die Messe sollte den zahlreichen Exilierten einen Platz einräumen", fordert der Schriftsteller, der selbst seit Jahren im Exil in Paris lebt und arbeitet.Vor allem ein Problem, der arabischen Literatur sei den Verantwortlichen der Buchmesse nicht bewusst: "Eine alte Tradition ordnet der politischen Macht Hofdichter zu. Die Machthabenden finanzieren sie, damit sie ihr Loblied singen. Niemand erinnert sich an jene Dichter, doch ihre Litaneien füllen die Seiten der offiziellen Presseorgane. Davon wird es in Frankfurt jede Menge geben, fürchte ich."Juniorprofessoren zufrieden mit ihrem Job Die überwältigende Mehrheit der Juniorprofessoren in den Geistes- und Ingenieurwissenschaften ist mit ihren Jobs zufrieden. Das ergab eine Umfrage der Jungen Akademie , einer Gruppe von Nachwuchswissenschaftlern, und dem Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). die der ZEIT vorliegt. Demnach sind 91 Prozent der Juniorprofessoren mit ihrem Job zufrieden oder sehr zufrieden. Nur 29 Prozent fühlen sich dadurch belastet, dass sie zu viel lehren müssen. Die befragten Wissenschaftler fürchten allerdings die Unsicherheit ihres Arbeitsplatzes, da die Stellen auf sechs Jahre befristet sind. Nur 7,4 Prozent haben Aussicht auf eine Dauerprofessur ( tenure track ). Die Umfrage ergibt, dass diese für 94 Prozent der Juniorprofessuren wichtig oder sehr wichtig ist. "Ohne tenure track ist die Juniorprofessur ernsthaft gefährdet", sagt CHE-Experte Tassilo Schmitt. 14 Prozent der Jungprofessoren blicken negativ in die Zukunft, für 44 Prozent der Befragten halten sich Chancen und Risiken die Waage. Die Umfrage zeigt weiter, dass zwei Jahre nach der Einführung der Juniorprofessur der Nachwuchs fehlt: Wurden Anfang 2002 in manchen Monaten über 80 Stellen ausgeschrieben, so sind es seit einem Jahr nur noch 10 oder 20.Das Bundesverfassungsgericht hatte die von der Bundesregierung eingeführte Juniorprofessur für verfassungswidrig erklärt, weil Berlin mit dem Gesetz seine Zuständigkeit überschritten habe. Richard Serra:
Bushs Regierung ist die abstoßendste, ekelhafteste, verhassteste Regierung, die es in den USA jemals gab
Der amerikanische Bildhauer Richard Serra hat US-Präsidenten George W. Bush und dessen Regierung ungewöhnlich hart angegriffen: "Es ist die abstoßendste, ekelhafteste, verhassteste Regierung, die es in den USA jemals gab", sagt er der ZEIT. "Die Republikaner herrschen, indem sie Angst und Schrecken verbreiten; dafür missbrauchen sie den 11. September", fügt er hinzu.Serra: "Diese Regierung muss weg, auch Dick Cheney und Donald Rumsfeld – vor allem Rumsfeld, dieser zynische, arrogante Verantwortliche für Abu Ghraib. Aber Bush würde den nie entlassen. Und Colin Powell muss weg. Der ist noch gefährlicher, weil er wirkt, als sei er nicht verrückt. Powell ist ein Hausschwarzer, der stolz ist, dass er nicht mehr auf dem Feld arbeiten muss. Der ist eine Schande für die schwarze Bevölkerung. Wir brauchen einen schwarzen Führer wie Nelson Mandela. Amerika hat keine großen Leitfiguren."Mit seinen Protestaktionen will Serra "die mobilisieren, die nicht wählen, übrigens auch mit meiner Website PleaseVote.com. Ich interessiere mich nicht dafür, mich bei den Rechten, die pro Bush sind, einzuschleimen. Fuck them!" Bush wirft er Wahlmanipulationen vor: "In Florida sind eine Million Wähler von den Listen gestrichen worden, alles Arme und Schwarze, nur so hat Bush gewonnen. Wenn das in einem anderen Land passiert wäre, wären wir dort einmarschiert."Der amerikanische Bildhauer Richard Serra gehört mit seinen Stahlskulpturen zu den bekanntesten Bildhauern der Gegenwart.Sängerin Björk möchte die ganze Welt zum Singen bringenDie isländische Sängerin Björk fordert in der ZEIT die Menschen auf mehr zu singen und outet sich als Jacko-Fan. "Ich könnte mir sogar vorstellen, dass die Menschen auf der ganzen Erde gemeinsam einen Song singen. Ja, ich bin so einfältig. Es würde mir wirklich gefallen, wenn alle Menschen sich an den Händen hielten und zusammen ein Lied sängen. Mir ist klar, wie dumm das ist. Aber genau diese Naivität ist der Grund, warum ich Michael Jackson mag. Er glaubt, die ganze Menschheit sollte ein Lied singen, dann wäre die Welt ein besserer Ort. So naiv bin ich auch. Ich kenne den Text noch nicht. Aber ich versuche noch immer, dieses Lied zu schreiben."Das neue Acapella-Album "Medulla" der 35jährigen Musikerin kommt diese Woche in die Plattenläden. Für Björk, die in New York und Island zu Hause ist, "ist jeder Mensch, wenn er singt, etwas Besonderes. Selbst wenn er im Fußballstadion steht und "Olé, olé, olé!" ruft. Ich hoffe natürlich, dass er noch mehr kann. Aber Singen muss nicht technisch perfekt sein. Singen ist einfach ein großartiges Gefühl." Schule im Aufbruch
ZEIT-Grafik: Was sich in allen 16 Bundesländer ändert
Zu Beginn des Schuljahres macht die Politik Druck: Überall werden neue Schulgesetze und Lehrpläne wirksam. Mancherorts herrscht Reformeuphorie, anderswo regiert das Chaos. Lehrer und Eltern sind verunsichert. Auf 6 Seiten entwirrt die ZEIT das Durcheinander.Eine ZEIT-Grafik zeigt, was sich in den Bundesländern alles ändert.Künast nahm Stasi-Handtuch mitAuch prominente Zeitgenossen lassen auf Reisen gelegentlich ein Andenken mitgehen, ohne zu bezahlen. In einer Umfrage der ZEIT zum Thema Hoteldiebstahl gestand zum Beispiel Bundesverbraucherministerin Renate Künast, sie habe kurz nach der Wende in Sachsen-Anhalt ein ehemaliges Stasi-Handtuch in einem Hotel mitgehen lassen: "An einer Ecke war das Handtuch seltsam dick. Das habe ich mir genauer angeschaut und vorsichtig die Naht aufgetrennt. Zum Vorschein kamen drei Buchstaben: MfS. Die Hotelbetreiber hatten nur schnell die Ecke umgenäht – und das Ministerium-für-Staatssicherheit-Handtuch wieder den Gästen hingehängt. Ich habe es dann eingesteckt, auch wenn ich das sonst nie tue. Ein Stasi-Handtuch, das ist doch ein unwiederbringliches Relikt." Einen materiellen Verlust habe das Hotel nicht erlitten, weil Künast ihren Fön liegen gelassen hatte."Tagesthemen"-Moderator Ulrich Wickert beichtete, wie er einmal einen historischen Dachziegel in China einkassiert hat: "Mein liebstes geklautes Souvenir – das ist ein alter chinesischer Dachziegel ... Ich habe neben den Gräbern gepicknickt – und dann lag er da. Er war vom Dach gefallen, direkt vor meine Picknickdecke. Wäre er oben auf dem Grab gewesen und nicht dort im Staub und Gras, ich hätte ihn nicht eingesteckt. Immerhin ist es ein sehr alter Ziegel, die Ming-Zeit ging 1644 zu Ende. So aber habe ich ihn in Wäsche gewickelt und eingepackt. 1979 war es noch nicht üblich, nach China zu reisen, ich dachte: Wer weiß, ob du je wieder hier Urlaub machst? Der Ziegel ist gelb lasiert und mit einem Drachen verziert – zwei Handbreit Altchina in meiner Wohnzimmerecke."Der Journalist und Moderator Roger Willemsen erklärte: "Hotels beklaue ich nicht." Wenn er die "trostlosen Plastikbügel in Metall-Ösen", anschaue, dann sehe er "eine Nation von Dieben" vor sich. "Ein einziges Mal habe ich einen solchen Bügel wirklich mitgenommen, aber da war ich bezecht, zog den Mantel mit Bügel an und war damit stundenlang in der Nacht unterwegs. Ein Taxifahrer hat mich instand gesetzt und den Bügel einfach in die Nacht geschleudert."Nach Recherchen der ZEIT nehmen fünf bis sieben Prozent der Gäste in einem Luxushotel etwas aus der Unterkunft mit.Für Rückfragen stehen Ihnen Elke Bunse oder Iljane Weiß, ZEIT-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, (Tel. 040/3280-217, Fax: 040/3280-558, e-mail: bunse@zeit.de bzw. weiß@zeit.de) gern zur Verfügung.