DIHK-Präsident Braun:
Unternehmen müssen mehr für Vereinbarkeit von Beruf und Familie tun
Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat die Unternehmenzu mehr Rücksicht auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie aufgerufen. DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun sagt der ZEIT: "Wir werden in den nächsten Dekaden zu wenig Fachkräfte und zu wenig Nachwuchs haben. Auf gut ausgebildete Frauen zu verzichten, können wir uns deshalb nicht länger leisten. Die Firmen müssen die Augen aufmachen." Nach Angaben von Braun setzen lediglich drei Viertel der Betriebe erste Maßnahmen in der geforderten Richtung um. Das seien 800.000 Firmen. "Etwa 200.000 Unternehmen sind bereits besonders frauenfreundlich", fügt er hinzu. Eine gesetzliche Regelung lehnt er aber ab. Familienfreundliche Personalpolitik zahle sich aus, sagt Braun in seiner Funktion als Vorstandschef der B. Braun Melsungen AG . Seine Firma spare jährlich mehr als 250 000 Euro durch eine familienfreundliche Personalpolitik: "Wenn etwa Frauen nicht vollen Mutterschutz beantragen, sondern nur sechs Wochen zu Hause bleiben und anschließend flexibel ihre Arbeitszeit einteilen, brauchen sie als Arbeitgeber keine Ersatzkraft, müssen diese nicht anlernen und auch keine Einstellungskosten tragen." EU-Währungskommissar lehnt Ausnahmen für Deutschland beim Stabilitätspakt abEU-Währungskommissar Joaquín Almunia hat eine flexiblere Anwendung des Europäischen Stabilitätspaktes gefordert, zugleich aber Ausnahmen für Deutschland abgelehnt. Er sagt der ZEIT, dass es "auf keinen Fall" Ausnahmebedingungen für Deutschland geben werde. Ein Land, das wie Deutschland mit zwei Prozent stärker als in der Vergangenheit wachse, könne sein Defizit senken. "Ich denke, das ist in der gegenwärtigen ökonomischen Situation auch möglich."Almunia erneuert seine Kritik am derzeitigen Pakt. Er habe in der Vergangenheit zu wenig auf die Probleme von Regierungen in Stagnationsphasen Rücksicht genommen: "Wir hatten in den vergangenen drei Jahren ein extrem niedriges Wachstum. In dieser Zeit hätte der Pakt flexibler gehandhabt werden müssen." Zudem habe er prozyklisch gewirkt, dass müsse sich ändern. Der Währungskommissar: "Künftig brauchen wir neue Anreize, um das Sparen in guten Zeiten zu belohnen." Deshalb müssten die Regeln dort angepasst werden, wo sie bisher zu starr waren.Almunia warnt allerdings davor, zu sehr auf Druckmittel zu setzen: "Nur mit Druck und Sanktionen kann man aus Brüssel keine Politik machen. Das hat die Vergangenheit ja gezeigt. Wir müssen überzeugen."Ex-Bahnchef Dürr fordert von reichen Deutschen Finanzierung öffentlicher Aufgaben Nach Ansicht des ehemaligen Chefs der Deutschen Bahn , Heinz Dürr, sollen die Wohlhabenden in Deutschland Aufgaben übernehmen, die der Staat sich wegen seiner Finanzkrise nicht mehr leisten kann. Dürr schreibt in der ZEIT, gerade die Eliten müssten sich "für eine Stiftungskultur einsetzen und für jeden sichtbar zeigen, dass sie bereit sind, ihren ganz persönlichen Beitrag für eine gute Zukunft Deutschlands zu leisten". Dürr ist heute Vorsitzender des Kuratoriums der Heinz und Heide Dürr-Stiftung . "Wenn aber in Deutschland der dringend notwendige Mentalitätswechsel weg vom umfassenden Anspruchsdenken an den Staat gelingen soll, dann müssen die Eliten mit gutem Beispiel vorangehen", fodert Dürr. "Warum können diejenigen in unserem Lande, die Vermögen haben, nicht einen Teil der öffentlichen Aufgaben direkt finanzieren – also aus ihrem privaten Überschuss das Defizit der Gemeinschaft mindern? Es wird schon einiges getan, aber es könnte noch viel mehr getan werden."Dürr verlangt aber auch bessere rechtliche Bedingungen für Stifter: "Gebt denen, die in gutem Bürgersinn mehr tragen wollen, als der Gesetzgeber verlangt, auch die Möglichkeit dazu."Führender palästinensischer Politiker Barghouti fordert mehr Demokratie für sein Volk Der Generalsekretär der Partei Palästinensische Nationalinitiative , Mustafa Barghouti, sieht in einer Demokratisierung des Nahen Ostens den einzigen Weg für dauerhaften Frieden: "Nur wenn wir die Chancen für Partizipation erhöhen, wird sich bei uns das Klima ändern. Demokratisierung ist der Schlüssel", sagt er der ZEIT. Barghouti stellt sich mit seiner Partei gegen die Strategie der Gewalt von Palästinenserführer Arafat: "Meine Partei, die Palästinensische National-initiative, verfolgt einen strikt gewaltfreien Kurs. Wir wollen der paläs-tinensischen Sache ein neues Gesicht geben und Vertrauen schaffen."Barghouti wirft Europa Zurückhaltung und mangelndes Interesse vor: "Die Europäer haben immer auf den Riesenapparat der Selbstverwaltung in Ramallah gesetzt, der mit seinen Geheimdiensten die Palästinenser unter der Knute hält. Europa hat nie ernsthaft versucht, demokratische Kräfte und Prozesse zu unterstützen. Wir werden mit der Palästinensischen Nationalinitiative auf allen Ebenen antreten, zunächst im Dezember bei den Kommunalwahlen. Europa muss garantieren, dass sie korrekt ablaufen. Nur internationale Wachsamkeit kann Unregelmäßigkeiten wie 1996 vermeiden helfen." Geheimdienstkoordinator Uhrlau:
Anti-Terrorkampf wird immer schwieriger
Der Koordinator der Nachrichtendienste im Kanzleramt, Ernst Uhrlau, sieht eine zunehmende Gefährdung durch die steigende Anzahl islamistischer Terrorgruppen in aller Welt. Vor dem Hintergrund des Geiseldramas in Beslan sagt Uhrlau der ZEIT: "Diese Dezentralisierung, die schier unübersehbare Zahl kleiner regionaler Zellen und die schrankenlose Gewalt sind ein großes Problem im Antiterrorkampf."Nach dem Krieg gegen die Taliban und al-Qaida-Kader in Afghanistan hätten die Terroristen in vielen Ländern Unterschlupf gefunden. Das mache Gegenstrategien extrem schwierig. "Es ist fast so wie in der Drogenbekämpfung", sagt Uhrlau. "Wenn man die zentrale Szene im Hauptbahnhof auflöst, verschwindet sie nicht vom Erdboden, sondern verteilt sich in Dutzenden Gruppen über die ganze Stadt."Nach Einschätzung des Bundesnachrichtendienstes (BND) ist die Bedrohung durch die neue, dezentralisierte al-Qaida heute flächendeckender als es die Ursprungsorganisation von Osama bin Laden je hätte sein können. Viele Gruppen seien vermutlich noch gar nicht entdeckt. In Tschetschenien kämpfen nach Schätzungen des BND derzeit etwa 500 Mudschahedin an der Seite der nationalistischen Rebellen.Ministerpräsident Steinbrück wurde Opfer von BerufsverbotDer Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Peer Steinbrück (SPD) ist zu Beginn seiner beruflichen Karriere Opfer eines Berufsverbotes geworden. Wie der Politiker der ZEIT sagt, ist er als Student in Kiel 1970 irrtümlich in eine Baader-Meinhof-Fahndung geraten. "15 Polizisten um sechs Uhr morgens, einer weckt dich, hält dir die Heckler-Koch an den Kopf, das vergisst du nie", erklärt er in der ZEIT. Steinbrück geriet in den Polizeicomputer, wurde dort nie gelöscht und war zwei Jahre später plötzlich als "Sicherheitsrisiko" ein Berufsverbotsfall. Er brauchte dann die Hilfe einiger "Genossen", ehe seine Karriere beginnen konnte.Steinbrück ist als Sohn eines Architekten in Hamburg aufgewachsen, ging zum Studium nach Kiel, wo er politische Karriere machte und zum Minister für Wirtschaft, Technologie und Verkehr aufstieg, ehe er nach Nordrhein-Westfalen wechselte.Hollywood-Schauspieler Tim Robbins greift US-Medien anOscar -Preisträger Tim Robbins hat in der ZEIT Kritik am Zustand der US-Medien geübt. Die Menschen strömten in politische Dokumentarfilme wie Michael Moores Fahrenheit 9/11 oder Super Size Me , "weil sie sich von den amerikanischen Medien nicht oder nur selektiv informiert fühlen. Kino wird zum gemeinsam erlebten Nachrichtenereignis, das die Defizite des Fernsehens ausgleicht", sagt Robbins der ZEIT. Nach Angaben des Hollywood-Schauspielers gibt es in den USA "große Medienkonzerne, Talk-Radios, Zeitungen, die einen Schauspieler, der seine Meinung sagt, zum Teufel erklären". Das sei auch der Grund dafür, dass sich nicht mehr Schauspieler wie er deutlich gegen die Politik von Präsident George W. Bush aussprächen. "An meiner Frau Susan Sarandon und mir wurde ein Exempel statuiert. Sie haben versucht, uns fertig zu machen, und ich bin froh, dass wir zu zweit waren. Ich weiß also, warum viele fürchten, ihre Meinung zu sagen", erklärt er. Robbins stellte bei den Filmfestspielen in Venedig mit Embedded einen eigenen Kinofilm vor, der die Irakpolitik des Präsidenten kritisiert: "Ich vertrete hier einen Film, der ein paar Fragen stellt und unsere Regierung satirisch auf die Schippe nimmt." Für Hans Magnus Enzensberger und Alexander Kluge ist "Humboldt bekannter als Goethe"Für den Schriftsteller und Verleger Hans Magnus Enzensberger ist der Naturforscher, Sammler und Kosmopolit Alexander von Humboldt (1769-1859) ein großes Vorbild. In einem ZEIT-Gespräch mit dem Filmemacher Alexander Kluge sagt er: "Ich ersterbe in Bewunderung, ich empfinde ihn als riesiges Vorbild, aber er hat doch etwas Einschüchterndes, es ist schwer vorstellbar, dass heute jemand eine solche Universalkompetenz erreichen könnte."Enzensberger: "Die meisten Deutschen wissen gar nicht, dass Humboldt der international bekannteste Deutsche ist, bekannter als Goethe. Ich habe einmal gelesen, es soll tausend geografische Objeke geben, die nach Humboldt benannt sind." Kluge sieht in Humboldt einen "Erddetektiv", der die Geografie in Geognosie umtaufte und damit die Erkenntnis der Welt meinte. "Die Natur ist der sichtbare Geist. Der Geist ist die unsichtbare Natur. Das heißt bei Humboldt: Man kann Ideen sehen. So blickt er auf Berge, wie es heute ein Orbit-Satellit tut, und kann dann sagen, wo Smaragde sind und wo Diamanten", begeistert sich Kluge. Am 26. September läuft um 23.30 Uhr im DCTP-Programm auf Sat.1 Alexander Kluges Sendung "Humboldts Kosmos. H. M. Enzensberger über die Sehnsucht nach Wissen". In Hans Magnus Enzensbergers Anderer Bibliothek erscheinen am 15. September Werke Humboldts in Sonder-Ausgaben. Nike Wagner:
Kultur als Staatsziel ins Grundgesetz
Die Dramaturgin Nike Wagner, 59, hat sich in der ZEIT für eine Verankerung der Kultur im Grundgesetz ausgesprochen: "Für die Zukunft erträume ich mir, dass Kultur als Staatsziel im Grundgesetz verankert werde, so wie die Sicherung von Luft, Wasser und Menschenwürde. Das ist realisierbar mit etwas Hartnäckigkeit und Verstand." Wagner, die derzeit das Kunstfest in Weimar leitet, zeigt sich erschüttert über den Bücherbrand vergangene Woche in der Anna Amalia Bibliothek : "Als die Anna Amalia Bibliothek brannte, weinte neben mir eine Frau. Für Momente fand ich mein eigenes Gefühl wieder. Man steht vor den Flammen und weiß – was Goethe einst in der Hand hielt, geht in Rauch auf." Die Urenkelin des Komponisten Richard Wagner wohnt seit einem Jahr neben der Bibliothek: "Zunächst wollte ich alle Veranstaltungen absagen. Besser und richtiger aber ist: Mit Kunst auf den Verlust von Kunst zu antworten. Jetzt erst recht." Sie träumt davon, das Kunstfest Weimar zu einem "Festival von europäischem Rang" zu machen. "Sollte die Nachwelt mir später einmal nachsagen, ich hätte das Erbe der Väter ernst genommen, es nicht gehütet, sondern verwandelt und weitergetrieben – in Weimar –, ich wär’s zufrieden."Für Rückfragen stehen Ihnen Elke Bunse oder Iljane Weiß, ZEIT-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, (Tel. 040/3280-217, Fax: 040/3280-558, e-mail: bunse@zeit.de bzw. weiß@zeit.de) gern zur Verfügung.