Ex-Mannesmann-Chef Klaus Escher:
"Ich fühle mich vollständig rehabilitiert"
"Diese Geschichten sind falsch, und sie sind weg. Das Gericht hat die Behauptungen der Anklage geradezu überdeutlich hart zurückgewiesen", sagt Ex- Mannesmann -Chef Klaus Esser der ZEIT. "Ich fühle mich vollständig rehabilitiert." Esser wurde freigesprochen, nachdem er ein halbes Jahr lang vor Gericht gestanden hatte. Gemeinsam mit fünf anderen Angeklagten – unter ihnen Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank , und Klaus Zwickel, einst Vorsitzender der IG-Metall – wurde er bezichtigt, mehr als 111 Millionen Mark bei der Übernahme von Mannesmann durch den britischen Mobilfunkanbieter Vodafone veruntreut zu haben. Der Ex- Mannesmann- Manager hegt keinen Zweifel daran, dass die Prämie von rund 15 Millionen Euro, die ihm nach dem Deal mit Vodafone zuerkannt wurde, leistungsgerecht war. Schließlich habe es davor und danach durchaus vergleichbare Dotierungen gegeben. Esser: "Jeder dieser Fälle hat in der Zeitung gestanden. Aber in keinem hat es Kritik gegeben. Zu Recht." Arbeitslosengeld II-Formulare:
Oberster Datenschützer fordert weitere Korrekturen
Die Änderung der Formulare für Arbeitslosengeld II geht dem Bundesbeauftragten für den Datenschutz nicht weit genug. "Die angekündigte Korrektur deckt nur einen Teil meiner Kritik ab", sagt Peter Schaar der ZEIT. "Das Grundproblem, dass der Arbeitgeber des Angehörigen von der Tatsache der Antragstellung erfährt, bleibt bestehen." Schaar streitet mit der Bundesagentur für Arbeit um den Einkommensnachweis, den Angehörige eines Antragstellers erbringen müssen. Ursprünglich sollten deren Arbeitgeber die Rückseite eines Zusatzblatts ausfüllen, das schützenswerte Sozialdaten enthielt. Nach erster Kritik hatte die Bundesagentur angekündigt, die beiden Blätter künftig zu trennen. Der oberste Datenschützer kritisiert zudem, beim Entwurf der Formulare übergangen worden zu sein: "Ich bin an der Entwicklung der Formulare leider nicht beteiligt worden, obwohl dadurch manche Probleme vielleicht gar nicht erst aufgetaucht wären."Christoph Bertram: "Deutschland muss Führungsrolle in Europa übernehmen" "Deutschland, das zentrale Land, verweigert die Führung in Europa", schreibt Christoph Bertram, Vorsitzender der Stiftung Wissenschaft und Politik und Berater der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik, in der ZEIT. "Deutschland ist und bleibt zentral für den Zusammenhalt Europas wie für die atlantische Partnerschaft. Die EU wäre ohne England, Italien, vielleicht sogar ohne Frankreich denkbar – ohne Deutschland, das Land in der Mitte, ist sie es nicht. Ohne Deutschland wäre auch die besondere Verbindung des Kontinents mit Amerika unvorstellbar. Ohne die Bundesrepublik fiele auseinander, was seit einem halben Jahrhundert zusammengehört." Bertram: "Was aber braucht das Land, damit es mitgestalten kann? Erstens die Bereitschaft, strategisch zu denken. Zweitens die Bereitschaft, die nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen. Zum dritten die Bereitschaft, Führungsverantwortung zu übernehmen. Doch allen drei Kriterien wird Deutschland zurzeit nicht gerecht."Bertram kritisiert die fehlende Lobby für eine europäische Außenpolitik und fordert die Deutschen zum Umdenken auf: "Nur dann, wenn Deutschland seine zentrale Rolle versteht und annimmt und wieder lernt, die anderen Partner einzubeziehen, dann wird deutsche Außenpolitik europäische Außenpolitik hervorbringen – zum Nutzen Deutschlands, zum Nutzen Europas und vielleicht auch zum Nutzen der Welt." Bundestagsabgeordneter Hermann Scheer:
"Kernenergie gehört ins Technikmuseum"
Hermann Scheer (SPD), Mitglied des Bundestages und Träger des Alternativen Nobelpreises , setzt sich in der ZEIT für die Förderung der Erforschung erneuerbarer Energien ein: "Es ist hohe Zeit, die strukturkonservativen Sichtblenden und den kleinmütigen Technikpessimismus gegenüber erneuerbaren Energien zu überwinden. Sie müssen in Politik, Wissenschaft und Technik endlich genauso ambitioniert erforscht und gefördert werden wie einst die Atomenergie." Die technologisch-wirtschaftliche Optimierung erneuerbarer Energien ist leichter zu realisieren als die der Atomtechnik, schreibt Scheer, "ein unwägbares Risiko gibt es nicht. Die Zukunft des atomar-fossilen Energiezeitalters liegt – besser früher als später – im Technikmuseum." Szenarien einer Vollversorgungsmöglichkeit durch erneuerbare Energien mit bereits verfügbaren Techniken sind mehrfach errechnet worden, so Hermann Scheer, zuletzt 2002 für Deutschland im Auftrag der Enquetekommission des Bundestages. Keine der Studien "ist je qualifiziert widerlegt worden, aber alle werden vom konventionellen Expertenbetrieb ignoriert". Das jährliche Energieangebot erneuerbarer Energien ist 15.000-mal so hoch wie der Jahresverbrauch atomarer und fossiler Energien. Schauspielerin Fanny Ardant: "Ich mag die Ehrlichkeit in der Beziehung eines Mannes zu einer Hure"Die französische Schauspielerin Fanny Ardant, 55, kritisiert in der ZEIT die Haltung der Gesellschaft zu unabhängigen Frauen: "Es gibt in der Gesellschaft eine tiefe Angst vor unabhängigen Frauen. Weil sie ein subversives Prinzip verkörpern. Die Menschen fürchten um ihr bürgerliches oder auch kleinbürgerliches Nest." Die alleinerziehende Mutter von drei Töchtern spricht sich gegen die Familie als "alleinige Matrix des sozialen Lebens" aus. Der familienbezogene Blick, so Ardant, sei zu einer Art Scheuklappe geworden."Ich mag die Ehrlichkeit in der Beziehung eines Mannes zu einer Hure", gesteht die Schauspielerin. "Bei solchen Beziehungen geht es allein um Sex, und das ist sehr praktisch." Man erspart sich das Gerede, die Rituale, die Erpressungen. Ardant: "Was kommt nach der Lust? Die Beziehung, die Probleme, die Familie, die Kinder – alles furchtbar kompliziert." Zu ihrem Filmkuss mit Catherine Deneuve in François Ozons Film 8 Frauen sagt Ardant: "Wenn wir uns am Ende leidenschaftlich küssen, ist das auch eine Art Versöhnung des französischen Kinos mit sich selbst, mit seiner Geschichte. Wir schleppen bei diesem Kuss alle Bilder mit uns, die wir je gedreht haben. Und wir setzen die Konkurrenz außer Kraft, die man in uns hineinprojiziert hat." Deneuve und Ardant waren beide mit dem Meisterregisseur François Truffaut liiert und wurden immer wieder zu gegensätzlichen Kunstfiguren des französischen Kinos stilisiert. Fanny Ardants neuer Film "Nathalie" kommt am 5. August in die Kinos.Fußballexperte Palme: Klinsmann ist "der falsche Mann"Der langjährige ZDF-Fußballexperte Michael Palme hält Jürgen Klinsmann, den künftigen Teamchef der deutschen Fußballnationalmannschaft, in dieser Position für "den falschen Mann". Der ZEIT sagt Palme: "Seine positive Ausstrahlung, seine Nettigkeit, all dies wird ihm helfen, in der Öffentlichkeit zunächst Punkte zu sammeln. Mit den vorhandenen Spielern, die ja größtenteils weit von internationaler Klasse entfernt sind, zu arbeiten, den jungen Spielern auch mal die Stirn zu bieten, sie zu fordern, dazu fehlt ihm die Erfahrung."Palme, der seine Laufbahn beim ZDF durch Eintritt in den vorzeitigen Ruhestand beendet hat, kritisiert die zunehmende Entertainisierung der Sportberichterstattung: "Die Hintergrundrecherchen, die, wie wir sagen ‚gebauten’ Beiträge, die sich aus Interviews, Bildern und selbst gesprochenen Texten zusammensetzen, die fehlen mir. Stattdessen wird stundenlang in Studios oder auf Hoteldächern gefachsimpelt." In der kommenden Bundesliga- und Champions-League-Saison wird Palme als Assistent des Kommentators Marcel Reif für den Sender Premiere arbeiten. Hamburger Wissenschaftsenator Dräger optimistisch: Klage gegen Verbot von Studiengebühren wird Erfolg habenDer Hamburger Wissenschaftssenator Jörg Dräger sieht im Urteil des Bundesverfassungsgerichts gegen die Juniorprofessur eine Vorentscheidung für die Klage gegen das Verbot von Studiengebühren. "Ich bin optimistisch, dass die Klage durchgeht", sagt Dräger der ZEIT. Hamburg hat mit fünf anderen Ländern gegen das von der Bildungsministerin Edelgard Bulmahn erlassene Verbot von Studiengebühren geklagt. "Bulmahn solle daher nicht abwarten", sagt Dräger, sondern Zeit sparen und das Hochschulgesetz jetzt "drastisch verschlanken".Das Urteil über das Verbot von Studiengebühren wird derselbe Gerichtssenat fällen, der am Dienstag die Juniorprofessur in ihrer jetzigen Form für verfassungswidrig erklärt hat. Gegen die Juniorprofessur, ein Projekt der Bundesministerin für Bildung und Forschung, hatten Bayern, Sachsen und Thüringen geklagt. "Das Urteil hat die Juniorprofessur als solche nicht in Frage gestellt", sagt Bulmahn und kündigt an, "sehr zügig" ein verfassungskonformes Hochschulgesetz vorzulegen.Rupert Neudeck: Putin vertut Chance in TschetschenienSeit Januar 2003 kämpft Rupert Neudeck, Vorsitzender der Grünhelme e.V., um Einreisevisa nach Tschetschenien. Mit Norbert Blüm und Günter Wallraff wollte er den damaligen tschetschenischen Präsidenten Achmed Kadyrow treffen, um mit ihm über den Wiederaufbau ganzer Dörfer zu beraten. Die Reise endete in Moskau, die Visa wurden annulliert.Nach der Ermordung Kadyrows durch Rebellen, bat Neudeck im Mai 2004 den russischen Botschafter, ihnen dennoch Visa für Grosnyj zu geben. Neudeck in der ZEIT: "Wieder Schweigen. Die Probleme Tschetscheniens aber bleiben. Bisher scheiterte jeder Versuch eines Wiederaufbaus an der Korruption. So vertut Putin eine Chance. Er könnte diese Aufgabe anstelle der verhassten Russen den beliebten Europäern übertragen. Wäre er klug, dann würde er dieses Angebot annehmen." Oscar-Preisträgerin Caroline-Link:
"Meine Träume haben oft mit Angst zu tun"
Für Caroline Link, 39, Regisseurin des prämierten Films "Nirgendwo in Afrika", sind Träume nichts "Süßlich-Verklärtes", sondern "etwas Konkretes". Der ZEIT sagt die r-Preisträgerin: "Wahrscheinlich geboren aus eigenen Zweifeln, haben meine Träume oft mit Angst zu tun: zu versagen, nicht anerkannt zu werden, Liebe zu verlieren oder missverstanden zu werden." Auch ängstliche Tagträume machen ihr zu schaffen: "Nach manchem Streit beispielsweise – und ich habe viel Temperament – passiert es, dass ich vom Tod desjenigen träume, mit dem ich mich gerade gestritten habe." Caroline Link, Kuratoriumsmitglied des Vereins Children for a Better World , fordert, dass Eltern ihre Kinder nicht allein lassen: "Damit Kinder keine Angstträume fürchten müssen, dürfen sie nicht einsam sein." Kinder hätten die Fähigkeit, so Link, bedingungslos zu lieben: "Eltern sind niemals ersetzbar, auch wenn mancher Vater und manche Mutter das glaubt … Einsamkeit vermittelt das Gefühl, nicht geliebt zu werden und selbst nicht lieben zu dürfen." Für Rückfragen stehen Ihnen Elke Bunse oder Iljane Weiß, ZEIT-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, (Tel. 040/3280-217, Fax: 040/3280-558, e-mail: bunse@zeit.de bzw. weiß@zeit.de) gern zur Verfügung.