Vor fast einem Jahr, am 1. Oktober 2008, hat ein neues militärisches Regionalkommando der USA seine Arbeit aufgenommen. Eines der Hauptziele besteht darin, zivile und militärische Aspekte in der US-Afrikapolitik stärker miteinander zu verbinden. Während es in dieser Hinsicht von einigen Beobachtern als ein neuartiges Experiment nach dem Ende des Kalten Krieges bezeichnet worden ist, ist das Africa Command (Africom) gerade bei vielen afrikanischen Staaten auf heftige Kritik gestoßen, die mitunter im Vorwurf einer schleichenden Militarisierung der US-Afrikapolitik gipfelte.

Bereits frühzeitig war Africom mit Problemen konfrontiert, die deutlich werden lassen, vor welchen besonderen Herausforderungen die Zusammenarbeit von Akteuren an der Schnittstelle von Entwicklung und Sicherheit generell steht. Mit der Einrichtung von Africom passte die damalige Bush-Administration zunächst die Organisation ihrer Regionalkommandos an die nach 1989 und 2001 veränderte politische Großwetterlage an. Hätte sie das Unternehmen lediglich als einen technischen Verwaltungsakt deklariert, wäre es vermutlich von der Öffentlichkeit nicht einmal bemerkt worden.

Da bis dahin drei Regionalkommandos für Afrika zuständig waren, wäre ein solcher Reformschritt durchaus nachvollziehbar gewesen. Mit einer konzentrierten Ausrichtung auf den afrikanischen Kontinent, der seit 2001 auch ins Blickfeld des globalen Antiterrorkampfes der USA gerückt war, sollte dem ökonomischen und sicherheitspolitischen Bedeutungszuwachs Afrikas Rechnung getragen werden. Vor allem aber bot sich damit die Möglichkeit, dem Verteidigungsministerium eine stärkere Rolle bei der Politikgestaltung selbst zuzuweisen.

Um dieses Engagement zu rechtfertigen, wurde das Mandat von Africom anfangs mit ehrgeizigen Zielen von entwicklungspolitischer Bedeutung geradezu überladen. Ja, es konnte sogar der Eindruck entstehen, Africom sollte dauerhaft eine zentrale Koordinationsaufgabe im Rahmen der Afrikapolitik zufallen. Gleichzeitig geriet Africom, aufgrund dieser über den militärischen Bereich hinausgehenden Ziele, unter einen selbst verschuldeten Erwartungsdruck.

Mit der Betonung der zivilen Komponente – das Kommando hat auch einen zivilen Stellvertreter im Kommandeursrang – und dem partnerschaftlichen wie auch ressortübergreifenden Ansatz sind durchaus zukunftsweisende Elemente in die Planung zu Africom aufgenommen worden. Problematisch ist allerdings, dass bis heute gerade in diesen beiden Aufgabenbereichen erhebliche strukturelle Defizite und Schwierigkeiten zu beobachten sind: Erstens entspricht die Personalausstattung bei Africom – insbesondere hinsichtlich der aus USAid (der Behörde für Entwicklungshilfe) und US-Außenministerium entsandten Mitarbeiter – noch nicht den Sollzahlen. Weit verfehlt wurde das Ziel, rund ein Viertel der Planstellen mit primär aus dem State Department und der USAid stammenden Zivilisten zu besetzen.

Zweitens hat der partnerschaftliche Ansatz gegenüber im Entwicklungsbereich tätigen NGOs und Regionalorganisationen in Afrika bislang versagt. Africom hat erst zu einem späten Zeitpunkt damit begonnen, afrikanische Regierungen und Organisationen über seine Aufgaben und Ziele ins Bild zu setzen. Es ist also nicht nur ein anti-amerikanischer Reflex vieler Afrikaner, dass kein Staat sich bereit erklärte, das Hauptquartier von Africom zu beherbergen – mit der Ausnahme Liberias, welches den USA traditionell sehr eng verbunden ist. Selbst US-amerikanische NGOs und Dachverbände wie Global Impact oder Inter Action haben sich zurückhaltend gegenüber Africom geäußert, da sie Nachteile befürchten, die aus einer zu großen Nähe entstehen könnten.