Iran muss in der Frage der Uran-Anreicherung standhaft bleiben: Dies sagte der Oberste Religionsführer Irans, Ajatollah Ali Chamenei, in seiner Freitagspredigt in Teheran, die live im Fernsehen übertragen wurde. Auf diese Rechte zu verzichten – seien es nukleare oder andere – bedeute den "Niedergang der Islamischen Republik", führte Chamenei weiter aus.

Zugleich betonte er: Iran habe keine Angst vor den westlichen Nationen, besonders nicht vor den Vereinigten Staaten und Großbritannien. "Mehr als 200 Jahre schon gibt es dieses heimtückische Verhalten der amerikanischen und britischen Regierungen gegenüber Iran. Also, was soll es. Sie können uns nicht mehr einschüchtern", rief Chamenei aus, während seine Anhänger mit Sprechchören "Tod Amerika" und "Tod Israel" antworteten.

Am vergangenen Mittwoch hatte Teheran den fünf ständigen Vertretern im UN-Weltsicherheitsrat plus Deutschland ein fünfseitiges Schreiben mit neuen Vorschlägen übergeben. Wie aus dem Text hervorgeht, den die Internetredaktion ProPublica als gescanntes Dokument ins Netz gestellt hat, beschränkt sich die iranische Regierung auf allgemeine Vorschläge zum Weltgeschehen, ohne mit einem Satz auf die eigene Urananreicherung einzugehen.

Washington, aber auch die europäischen Regierungen zeigten sich enttäuscht. Aus dem amerikanischen State Department hieß es, "Iran geht nicht wirklich auf unsere größte Sorge ein, nämlich sein Nuklearprogramm". Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana ließ erklären, Irans Vorschlag beantworte nicht die Schlüsselfragen zu seinem Atomprogramm. Diplomaten der sechs Staaten wollten sich nun mittels einer Konferenzschaltung auf eine erste Einschätzung verständigen. Russlands Außenminister Sergei Lavrov gab bereits zu erkennen, dass Moskau sich nicht an Benzinaktionen gegen Teheran beteiligen wird.

Im innenpolitischen Teil seiner Freitagspredigt drohte der Oberste Religionsführer der Opposition erneut mit scharfen Worten. "Wer gegen die Islamische Republik das Schwert zieht", müsse mit einer harten Antwort rechnen, sagte er, während seine Zuhörer in Hymnen "Wir lieben unseren Führer" skandierten. "Wenn Gruppen der Opposition mit ihren Ideen die Sicherheit des Staates gefährden und die islamischen Prinzipien infrage stellen", werde man ihnen mit Macht entgegentreten, erklärte Chamenei bei seiner zweiten Freitagspredigt nach der umstrittenen Präsidentenwahl vom 12. Juni.

Vorne im Auditorium saßen neben Mahmud Ahmadineschad auch Parlamentssprecher Ali Laridschani und sein Bruder Sadeqh Laridschani, der vor Kurzem ernannte Chef der Justiz. Nächsten Freitag, wenn die Islamische Republik den Jerusalemtag feiert, soll wieder Ex-Präsident Ali Akbar Hashemi Rafsandschani sprechen, unter den fünf Teheraner Freitagspredigern der Einzige, der die Anliegen der Opposition unterstützt.