"Es ist ein Konflikt zwischen der eigenen Menschlichkeit und den Folgen, den es für die Besatzung haben könnte. Es könnte sein, dass man für seine Menschlichkeit bestraft wird." Sie überlegt, schweigt und sagt schließlich: "Ich würde sie nicht selbst an Bord holen." Sie würde das Flüchtlingsboot an Land melden und dann warten, bis Hilfe kommt. Um das eigene Gewissen zu beruhigen und nicht einfach so weiter zu fahren.

Dies scheint letzten Monat der Fall gewesen zu sein: Eritreische Bootsflüchtlinge hatten berichtet, dass mehrere Schiffe ihre Hilferufe ignoriert hatten und an ihnen vorbeigezogen waren. Auch Schmidt glaubt, dass einige Reedereien ihre Besatzungen inzwischen anweisen würden, lieber weiterzufahren als zu helfen.

Auch Marte Roths Mitschüler sagen: Flüchtlinge an Bord gleich Problem für die Besatzung. Sie erzählen von Lehrvideos, in denen sie vor blinden Passagieren gewarnt werden und von Schleusern, die sich mit kleinen Fischerbooten tarnen. Man müsse so viel wie möglich helfen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen, sagt der 20-jährige Arne Heitmann. Man könnte zum Beispiel ein Flüchtlingsboot seitlich andocken und mitziehen, ohne die Menschen selbst an Bord kommen zu lassen. Das ginge allerdings nur in Küstennähe. "Aber wenn ein Flüchtlingsboot auf hoher See in Seenot ist, ist man verpflichtet, diese Leute aufzusammeln“, sagt Heitmann. Alles andere wäre schließlich unterlassene Hilfeleistung. Aber dafür wurde seines Wissens noch kein Kapitän vor Gericht gestellt.