Die amtliche Nachrichtenagentur Xinua meldete, Machthaber Kim Jong Il habe bei einem Treffen mit dem chinesischen Diplomaten Dai Bingguo gesagt, Nordkorea "werde weiter an dem Ziel einer atomaren Abrüstung festhalten" und sei bereit, "die relevanten Probleme durch bilaterale und multilaterale Gespräche zu lösen". Nordkorea hat wiederholt zugesagt, sein Atomprogramm herunterzufahren, dann jedoch wenig später seine Position geändert.

Das macht auch Fachleute skeptisch. Es werde zunehmend davon ausgegangen, dass die Führung Nordkoreas nicht daran denke, ihr Atomwaffenprogramm aufzugeben, sagte der Politologe Kenneth Boutin von der Deakin University in Australien in einer ersten Reaktion. "Es könnte sich sehr wohl herausstellen, dass ihre Vorstellungen von einer 'atomaren Abrüstung' sich von unseren deutlich unterscheiden", sagte er. Yang Moo Jin von der Universität für Nordkorea-Studien zeigte sich zuversichtlicher. Zwar werde das abgeschottete Land weiter den Druck aufrechterhalten. "Aber besonders weil Kim Jong Il Verhandlungen versprochen hat, sind die Aussichten nicht so schlecht."

Dais Besuch gilt als Vorbereitung für eine Reise von Chinas Ministerpräsidenten Wen Jiabao, die Südkoreas Regierung im Oktober erwartet. China steht Nordkorea von allen Staaten noch am nächsten. Allerdings hatten sich die Beziehungen nach einem nordkoreanischen Atomtest im Mai verschlechtert. China unterstützte daraufhin Sanktionen. In den vergangenen Wochen gab sich die Regierung in Pjöngjang einerseits versöhnlich, drohte jedoch andererseits damit, die Urananreicherung aufzunehmen. Dies wäre ein zweiter Weg zur Herstellung von Material für eine Atombombe.

Die Regionalmächte versuchen seit Längerem, Nordkorea zu einer Wiederaufnahme der Sechser-Gespräche zu bewegen. An ihnen waren neben Nord- und Südkorea sowie China auch Russland, die USA und Japan beteiligt. Nordkorea verlangt dagegen direkte Verhandlungen mit den USA. Die Regierung in Washington hat sich zwar grundsätzlich dazu bereiterklärt, dies aber als Weg bezeichnet, um die Sechser-Gespräche wieder in Gang zu bringen.

Neben Nordkorea macht der Staatengemeinschaft auch das Atomprogramm Irans Sorgen. Die Islamische Republik hat Vorwürfe zwar zurückgewiesen, sie arbeite heimlich an dem Bau einer Kernwaffe. "Wir brauchen keine Atomwaffen", sagte Präsident Mahmud Ahmadineschad. Es gebe keinen Bedarf dafür. "Die Umstände entwickelten sich weltweit nach unseren Vorstellungen." Am 1. Oktober wollen die fünf UN-Vetomächte und Deutschland mit der Regierung in Teheran über ihr Atomprogramm sprechen.