Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage ist ein Video des aus Bonn stammenden mutmaßlichen Al-Qaida-Terroristen Bekkay Harrach im Netz entdeckt worden. Bereits am Freitag war ein Video im Internet veröffentlicht worden, in dem Harrach den sofortigen Abzug deutscher Truppen aus Afghanistan forderte. Andernfalls drohe Deutschland nach der Bundestagswahl ein "böses Erwachen". Am Sonntag dann fand sich auf einer Propagandaseite der Terrororganisation ein Film mit dem Titel "O Allah, ich liebe Dich".

Im ersten Film war der Deutsch-Marokkaner im Anzug zu sehen, im zweiten ist sein Gesicht verhüllt. Nach Angaben des auf islamistische Webseiten spezialisierten IntelCenters handelt es sich aber um die gleiche Person. Der Film soll sich erneut mit dem deutschen Afghanistan-Einsatz beschäftigen. Das Bundesinnenministeriums bezeichnet es als authentisch. Dem Bundeskriminalamt (BKA) zufolge enthält dieses Video aber keine konkreten Anschlagsdrohungen. Eine Sprecherin des BKA betonte, man müsse nun den Inhalt auswerten.

Bei der Botschaft des Mannes, der sich Abu Talha nennt, handelt sich um eine Standsequenz, im Hintergrund ist ein deutscher Text zu hören. Laut IntelCenter ist das Video 39 Minuten lang und wurde auf der Propaganda-Plattform der al-Qaida, as-Sahab, veröffentlicht.

Es geht darum, Verunsicherung zu schaffen
Terrorexperte Berndt-Georg Thamm

Der Terrorexperte Berndt-Georg Thamm hält die Botschaft für einen Teil der "psychologischen Kriegsführung" des Islamisten, der sich seit Jahresbeginn bereits mit vier gegen Deutschland gerichteten Videos zu Wort gemeldet hat. "Es geht darum, Verunsicherung zu schaffen", sagte Thamm. "Jeder rätselt jetzt, was das mit Kiel soll." Über persönliche Kontakte des aus Bonn stammenden Mannes in die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt sei bisher nichts bekannt. Im dem am Freitag veröffentlichten Film sagte Harrach, die Stadt Kiel sei sicher, egal wie lange der Konflikt mit Deutschland dauere.

Bei den Videos handelt es sich nach Angaben des IntelCenters um die deutlichsten Drohungen al-Qaidas gegen Deutschland und gegen ein Land in Europa überhaupt. Unter Berücksichtigung aller Drohbotschaften seit Jahresbeginn gebe es eine Fokussierung auf Deutschland, da auch Videos der Islamischen Bewegung Usbekistans (IMU) und der Islamischen Dschihad-Union (IJU) Deutschland direkt ins Visier genommen hätten.

Deutsche Sicherheitsbehörden gehen angesichts der nahen Bundestagswahl von einer erhöhten Terrorgefahr aus. Daher wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. An Flughäfen und großen Bahnhöfen patrouillieren Bundespolizisten mit Schutzwesten und Maschinenpistolen. Nach Angaben der Bundespolizei in Potsdam haben die Drohungen von al-Qaida und anderen islamistischen Organisationen gegen Deutschland eine neue Qualität erreicht.