Angeklagt waren die vier Uiguren wegen eines Angriffs mit einer Injektionsspritze auf eine chinesische Passantin. Sie wurden zu Haftstrafen zwischen 8 und 15 Jahren verurteilt. Nur zwei Wochen nach ihrer Festnahme verkündete das Gericht in der Provinzhauptstadt Ürümqi am Donnerstag die Strafen, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Die Verurteilten hatten die Frau demnach in einer Unterführung angegriffen.

Seit Mitte August hatten die Angriffe auf Passanten mit Spritzen in der Unruheregion Xinjiang Angst ausgelöst. Mehr als 500 Menschen sind betroffen. Bisher konnte aber weder eine Infektion noch eine Vergiftung festgestellt werden. Dennoch besteht die Sorge vor HIV-Infektionen.

Vergangenes Wochenende waren drei andere Angehörige der muslimischen Minderheit der Uiguren wegen ähnlicher Vorwürfe zu Haftstrafen zwischen 7 und 15 Jahren verurteilt worden. Ein 19-Jähriger bekam 15 Jahre Haft, zwei andere erhielten je zehn Jahre.

Nach amtlichen Angaben sind etwa 75 Verdächtige in Haft, die in eine Serie von solchen Angriffen verwickelt gewesen sein sollen. Aus Sicht der Behörden wollten die Uiguren damit den Hass zwischen den Volksgruppen schüren. Die Empörung unter Chinesen über die Angriffe und die schlechte Sicherheitslage hatten Anfang September neue Unruhen in Ürümqi ausgelöst, bei denen fünf Menschen ums Leben gekommen waren.

Bei Ausschreitungen von Uiguren gegen Chinesen und folgenden Racheakten waren schon Anfang Juli rund 200 Menschen ums Leben gekommen.

Die Uiguren sind größtenteils Muslime und turksprachig. Viele klagen über Einschränkungen bei der Religionsausübung und die politische Dominanz der Han-Chinesen in der Region Xinjiang. Menschenrechtsgruppen kritisieren, China unterdrücke die Volksgruppe mit Folter, Massenverhaftungen und Todesurteilen. Seit Mitte der neunziger Jahre wurden laut amnesty international über 3000 Uiguren verhaftet und mehr als 200 hingerichtet.