Nach der von den Vereinten Nationen unterstützten Beschwerdekommission (ECC) sind zahlreiche Einwände gegen die Wahl und die Stimmenauszählung eingegangen. Seit dem Wahltag am 20. August erhielt die ECC nach eigenen Angaben mehr als 2300 Einwände. Fast 700 davon wurden als Kategorie A eingestuft und sind geeignet, den Wahlausgang zu beeinflussen. Beobachter befürchten, dass aufgrund der zahlreichen Unregelmäßigkeiten Kandidaten die Legitimität der Wahl infrage stellen könnten. Unter anderem wirft Ex-Außenminister Abdullah dem Karsai-Lager Manipulationen vor.

Inzwischen hat die Wahlkommission die Ergebnisse von 447 der rund 28.000 Wahllokale annulliert. Grund seien Unregelmäßigkeiten, teilte die Kommission am Sonntag mit. Die Wahl ist zunehmend umstritten, weil immer mehr Manipulationsvorwürfe gegen das Karsai-Lager laut werden. Nach dem jüngsten Teilergebnis auf der Grundlage von zwei Dritteln der Wahllokale baute Amtsinhaber Hamid Karsai seinen Vorsprung auf Ex-Außenminister Abdullah Abdullah weiter aus.

Zu Beginn der Auszählung der Stimmen hatten erste Teilergebnisse noch auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Karsai und Abdullah hingedeutet. Der Präsident liegt jetzt bei 48,6 Prozent, sein wichtigster Herausforderer bei 31,7 Prozent. Um im ersten Durchgang gewählt zu werden, ist die absolute Mehrheit der Stimmen erforderlich. Sollte Karsai auch bei der weiteren Stimmen-Auszählung keine absolute Mehrheit bekommen, wäre eine Stichwahl im Oktober notwendig. An dritter Stelle liegt weiterhin der frühere Planungsminister Ramasan Baschardost mit 10,7 Prozent. Die restlichen 27 Kandidaten spielen keine wichtigere Rolle mehr.

Als wahrscheinlich gilt, dass Karsai seinen Vorsprung weiter wird ausbauen können. Bislang wurden vor allem Ergebnisse aus Wahllokalen in Provinzen veröffentlicht, in denen Abdullah stark war. Im paschtunischen Süden und Osten des Landes, wo Karsai deutlich vorne liegt, wurden bislang weniger Stimmen ausgezählt. Ein amtliches Endergebnis war ursprünglich für Mitte September angekündigt worden. Der Termin erscheint angesichts der schleppenden Auszählung und der zahlreichen Beschwerden allerdings als kaum haltbar.