99 Tote, darunter 30 unschuldige Zivilisten - das ist nach Angaben aus der von Präsident Hamid Karsai eingesetzten Untersuchungskommission die Bilanz des von der Bundeswehr angeordneten Bombardements zweier Tanklastzüge im nordafghanischen Kundus. Neun weitere Zivilisten seien bei dem Luftschlag am frühen Morgen des 4. September verletzt worden, sagte Kommissionsmitglied Mohammadullah Baktasch am Sonntag in Kabul. Das Bundesverteidigungsministerium hatte bisher erklärt, ihm seien keine zivilen Opfer des Luftangriffs bekannt.

Baktasch verteidigte jedoch die in Kritik geratene Bundeswehr. "Definitiv sind die Verantwortlichen die Taliban." In einer vergleichbaren Lage hätten "nicht nur die deutschen Truppen, sondern alle Regierungs- und internationalen Truppen so gehandelt", betonte das Kommissionsmitglied. Er sagte, dass die Taliban die Tanklastzüge für terroristische Absichten gegen afghanische und internationale Truppen hätte einsetzen können. Die Taliban hätten die Unschuldigen in dieses "Verbrechen" verwickelt.

Die Gegend, in der es zu dem umstrittenen Luftangriff der Bundeswehr gekommen ist, sei kein Wohngebiet gewesen, betonte Baktasch. Die nächsten Häuser seien mindestens drei Kilometer entfernt gewesen. Aus der Luft sei nicht festzustellen gewesen, ob Zivilisten an den Tanklastzügen gewesen seien.

Auch der Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, verteidigte den Luftangriff am 4.September, bei dem zwei US-Kampfjets auf Anforderung der Bundeswehr bei Kundus zwei von den Taliban entführte Tanklastwagen bombardiert hatten. Der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung  sagte er, er gehe davon aus, dass das Bombardement "erst nach sorgfältiger Beurteilung der Gesamtlage und in der Absicht getroffen wurde, erheblichen Gefahren für die eigenen und verbündeten sowie für die afghanischen Sicherheitskräfte zuvorzukommen".

Bundeswehr-Oberst Georg Klein, der die Zerstörung der entführten Tanklaster aus der Luft angeordnet hatte, äußerte sich im Gespräch mit der Bild am Sonntag. erstmals öffentlich zu seiner Entscheidung. "Ich habe mir jede einzelne dieser Entscheidungen - auch bei angeforderten Luftunterstützungen - niemals leichtgemacht, um diese auch im Nachhinein vor meinen Soldatinnen und Soldaten, den afghanischen Menschen und meinem Gewissen verantworten zu können."

Die Süddeutsche Zeitung hatte unter Berufung auf hochrangige Bündnis-Kreise geschrieben, dass die Nato schwere Vorwürfe gegen Klein erhebt. Nach Ansicht der Nato habe der Oberst seine Kompetenzen überschritten und die Lage falsch eingeschätzt. Mit der Genehmigung für den Luftangriff habe Klein gegen die neuen Regeln der Afghanistan-Schutztruppe Isaf verstoßen. Eine Entscheidung solcher Tragweite habe er nicht ohne Rücksprache mit dem Isaf-Hauptquartier treffen dürfen, schrieb die Zeitung.