1,3 Millionen gefälschte Stimmen, eine Wahlbeteiligung von nur 38,7 Prozent, schwere Anschläge und Wahlbeobachter, die in mancher Region nicht arbeiten konnten: Die Präsidentenwahl in Afghanistan am 20. August war alles andere als ein Musterbeispiel für Demokratie. Und nun sollen die Afghanen ein weiteres Mal wählen. Für den 7. November hat eine afghanische Kommission eine Stichwahl zwischen Präsident Hamid Karsai und seinem Herausforderer Abdullah Abdullah festgesetzt. Eine Wahl im afghanischen Winter halten viele Experten jedoch für ein Wagnis.

Mit Mauleselkarawanen hatten Helfer Kabinen und Wahlstimmen in entlegene Dörfer gebracht – bei Schnee und Eis auf den Pässen wird das nicht mehr möglich sein. Und auch die internationale Schutztruppe Isaf kann bei harter Witterung den Schutz der Wahlbüros noch weniger gewährleisten als bei der Wahl im August.

Hamid Karsai versuchte am Dienstag aber trotz aller Zweifel, Werbung für die Stichwahl zu machen. "Ich rufe unsere Nation auf, diese Chance zu nutzen", sagte Karsai auf einer Pressekonferenz in Kabul. Er fordere alle Wahlberechtigten dazu auf, ihre Stimme abzugeben.

Doch die afghanische Bevölkerung reagierte sehr verhalten auf die Ankündigung der Stichwahl. In Interviews mit westlichen TV-Sendern äußerten Bewohner Kabuls große Zweifel, ob die Sicherheit für eine Wahl ausreichen wird.

Die Taliban und Terroristen von al-Qaida hatten bereits im August versucht, die Wahl ganz zu verhindern. In manchen Regionen war den Extremisten dies gelungen. Eine Stichwahl zwischen dem als Marionette der Amerikaner verspotteten Amtsinhaber und Abdullah, der zu den engsten Mitarbeitern des Taliban-Todfeindes Massoud gehörte, werden die Islamisten erneut mit Anschlägen und Attentaten bekämpfen.

Nicht nur die schlechte Sicherheitslage, vor allem das fehlende Vertrauen der Afghanen in die junge Demokratie und ihre Repräsentanten wird erneut zu einer schlechten Wahlbeteiligung führen, befürchten Experten. Wie viele der 15 Millionen Wahlberechtigten am 7. November ihre Stimme abgeben werden, bleibt die große Frage. Präsident Karsai und der ehemalige Außenminister Abdullah fehlt in den Augen vieler Wähler die Legitimität.

Internationale Spitzenpolitiker hingegen reagierten erleichtert. Hochrangige Diplomaten und mehrere Staatschefs hatten Karsai in den vergangenen Tagen bearbeitet, sich an die Verfassung zu halten und einer Stichwahl nicht im Weg zu stehen.