Zwei Wochen vor der Stichwahl in Afghanistan haben die Taliban zum Boykott der Abstimmung aufgerufen und mit Gewalt gedroht. In einer am Samstag auf einer Website verbreiteten Erklärung wurden alle Afghanen aufgefordert, sich nicht an dem "US-geführten" Wahlgang zu beteiligen. Jeder, der sich an ihm beteilige, tue dies auf eigene Gefahr. Mit Blick auf die Tausenden Wahllokale drohten die Extremisten mit "Einsätzen aller Mudschahedin in den Zentren des Feindes". Sollte jemand bei der Abstimmung verletzt werden, sei er angesichts der deutlichen Warnungen der Mudschaheddin dafür "selbst verantwortlich".

In der ersten Runde waren massive Wahlfälschungen zugunsten des amtierenden Präsidenten Hamid Karsai bekannt geworden. Allerdings hatte Karsai auch nach Abzug der gefälschten Stimmen einen Vorsprung von rund 20 Prozentpunkten vor seinem Herausforderer Abdullah Abdullah.

Karsai geht damit als klarer Favorit in die Stichwahl. Unsicher ist, ob viele Afghanen an der zweiten Runde überhaupt teilnehmen. Schon im August war die Wahlbeteiligung mit rund 38 Prozent gering. Vielfach hatten die Taliban mit Überfällen und Anschlägen für ein Fernbleiben der Bürger von den Urnen gesorgt. 

Im Ausland wird die zweite Runde intensiv beobachtet. Die Mission der Vereinten Nationen in Afghanistan (Unama) hatte bereits am Wochenende angekündigt, nach dem massiven Wahlbetrug in der ersten Runde würden bei der Stichwahl rund 200 und damit mehr als die Hälfte der Distriktchefs der afghanischen Wahlkommission ersetzt.