Die erste Verhandlungsrunde im Atom-Streit mit Iran ist beendet. Wie der EU-Außenbeauftragte Javier Solana berichtet, wird sich die Delegation aus Teheran in den kommenden Wochen erneut mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland treffen. Man habe sich darauf verständigt, Vorbereitungsgespräche für eine weitere Begegnung noch im Oktober zu führen, sagte Solana am Donnerstagabend. Dazu gehörten auch Gespräche zwischen ihm und dem iranischen Delegationsleiter Said Dschalili.

Auch nach den Worten von Außenminister Manuchehr Mottaki ist Iran zu einer Fortsetzung der Genfer Gespräche bereit – auch auf höchster Ebene. Sein Land habe die Bereitschaft bekundet, den Dialog auch auf höherer Ebene fortzusetzen – "bis hin zur Ebene eines Gipfeltreffens", sagte Mottaki in New York.

Zuvor waren in einer Villa der Schweizer Regierung in der Nähe von Genf Vertreter aus der Islamischen Republik, den USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien und Deutschland zusammengekommen – zum ersten Mal seit mehr als einem Jahr. Streitpunkt ist das iranische Atomprogramm, hinter dem der Westen ein Streben nach Kernwaffen vermutet. Die Regierung in Teheran weist dies zurück.

Während Iran die Gespräche als vertrauensbildende Maßnahme sieht, hoffen die Vertreter der Weltgemeinschaft, dass das Treffen die Grundlage für die Wiederaufnahme von Verhandlungen über das umstrittene iranische Urananreicherungsprogramm schaffen. Die Regierung um den erzkonservativen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad hat mehrfach erklärt, sie wolle über diese Frage nur noch mit der Atomenergieagentur IAEA verhandeln. Bei den Gesprächen wolle man nur über die Lösungen für "globale Herausforderungen" sprechen. Laut Ahmadinedschad geht sein Land grundsätzlich von "langen Verhandlungen" aus.

Auch westliche Diplomaten hatten berichtet, die iranische Delegation wolle nicht konkret über das Atomprogramm Teherans diskutieren. Vielmehr solle es um allgemeine Fragen wie die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen und Friedensfragen gehen. Nach einem Bericht des iranischen Nachrichtensenders Chabar soll Said Dschalili die Meinung vertreten haben, nicht Iran und sein friedliches Atomprogramm stellten eine Gefahr für die Region dar, sondern das Atomarsenal Israels.

Die Sechsergruppe hatte sich darauf verständigt, dass sie ohne die Androhung von Sanktionen in die Gespräche gehen will. Allerdings haben die USA auch klar gemacht, dass Sanktionen in Vorbereitung seien, falls die Verhandlungen scheiterten. Washington bemüht sich derzeit im Einklang mit den Europäern im Weltsicherheitsrat um die Zustimmung Russlands und Chinas für mögliche neue schärfere Maßnahmen.

Gegen Sanktionen sprach sich am Donnerstag die Türkei aus. "Wir glauben nicht, dass dies ein Ergebnis bringt", zitierte die türkische Tageszeitung Radikal Außenminister Ahmet Davutoglu. Er bemühe sich, neue Sanktionen zu verhindern. Auch die Möglichkeit eines Militärschlags müsse vom Tisch, forderte der Minister. Unter Sanktionen würde die Türkei an vorderster Stelle leiden, sagte Davutoglu. Die iranische Bevölkerung werde die Last einer solchen Strafe tragen, nicht aber die Führung, wie die Erfahrung im Umgang mit dem Regime von Saddam Hussein im Irak gezeigt habe.

Am Rande der Atom-Verhandlungen in der Schweiz kam es auch zu einem seltenen bilateralen Gespräch zwischen dem iranischen Unterhändler Dschalili und US-Staatssekretär William Burns. Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt. Es war das hochrangigste bilaterale Treffen, seit die USA vor mehr als 30 Jahren – nach der islamischen Revolution und der Gefangennahme von US-Geiseln 1979 – die diplomatischen Beziehungen zum Iran abbrachen.