Im Sommer 2004 rettete Kapitän Stefan Schmidt mit seinem Schiff Cap Anamur II 37 Afrikaner aus einem überfüllten Schlauchboot im Mittelmeer. Nach dreiwöchiger Irrfahrt brachte er die Flüchtlinge in Sizilien an Land. Dafür wurden er und der ehemalige "Cap Anamur"-Vorsitzende Elias Bierdel in Italien vor Gericht gestellt. Der Vorwurf: Beihilfe zur illegalen Einwanderung. Jetzt wurden beide freigesprochen. Khue Pham hat mit Stefan Schmidt telefoniert:

ZEIT ONLINE: Herr Schmidt, wie geht es Ihnen heute?

Stefan Schmidt: Ach, ich bin ganz erleichtert! Gestern im Gericht war ich angespannt, und das hat man mir auch angesehen. Aber heute bin ich total entspannt und genieße den Ausblick auf das Mittelmeer.

ZEIT ONLINE: Wie lief denn die Urteilsverkündung ab?

Schmidt: Wir hatten 40 Unterstützer dabei, außerdem sind noch fast genauso viele Journalisten gekommen, deutsche und italienische. Kurz vor 13 Uhr hat die Richterin die Sitzung einberufen und das Urteil ganz lakonisch vorgelesen. Es brach ein Riesenjubel im Gerichtssaal aus, und der Staatsanwalt ist auf uns zugekommen und hat uns gratuliert. Danach war mein Handy dauerblockiert, weil ich fortwährend SMS und Anrufe bekommen habe.

ZEIT ONLINE: Die schriftliche Begründung folgt erst in anderthalb Monaten. Hat die Richterin erklärt, warum sie Sie freigesprochen hat?

Schmidt: Nein, das war das Seltsame. Sie ist nach der Urteilsverkündung gleich wieder rausgegangen. Aber für mich ist ganz klar, dass der Freispruch darauf basiert, dass Menschen zu retten kein Strafbestand ist. Ich habe es so interpretiert, dass die Richterin mutig war und gegen den politischen Trend Recht gesprochen hat.

ZEIT ONLINE: Das Urteil ist ja das erste dieser Art ...

Schmidt: ... und im November findet hier der Prozess gegen die tunesischen Fischer statt, die unter noch dramatischeren Umständen Flüchtlinge aus dem Meer gerettet haben. Wir hoffen, dass es so ausgehen wird wie bei uns.