Milliarden fehlen im künftigen Haushalt. Dennoch versprechen Union und FDP Entlastungen für die Bürger und Unternehmen. Geld, das an anderer Stelle gespart werden muss. Zum Beispiel bei der  Entwicklungspolitik, fürchten Entwicklungshelfer. Vor allem die FDP fiel in der Vergangenheit mit entsprechenden radikalen Forderungen auf.

Schwellenländer wie China und Indien bräuchten keine Entwicklungshilfe aus Deutschland, sagte Philip Rösler, Niedersachsens Wirtschaftsminister (FDP) in früheren Interviews. Und FDP-Generalsekretär Dirk Niebel betonte, er sei verwundert, dass die Regierung für größere finanzielle Entlastung in Deutschland keinen Spielraum sehe, aber ohne Probleme 100 Millionen Euro für neue Projekte der Entwicklungshilfe finde. Am meisten Aufsehen erregte jedoch die Forderung der FDP, das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) aufzulösen und in das Auswärtige Amt zu integrieren.

"Einen Prestigegewinn für unser Land bedeutet ein eigenes Entwicklungsministerium nicht. Im Ausland entsteht gelegentlich eher der Eindruck, dass die Deutschen dumm sind, und sich ausspielen lassen, oder noch schlimmer: dass die Deutschen mit gespaltener Zunge reden", sagt Hellmut Königshaus, Sprecher der FDP für wirtschaftliche Zusammenarbeit. "Das muss aufhören, das gefährdet das deutsche Ansehen. Deswegen gehört das BMZ in das Außenministerium."

Ob die FDP mit dieser Forderung erfolgreich sein wird, ist jedoch auch kurz vor Abschluss der Koalitionsverhandlungen in Berlin noch ungewiss. "Ob das BMZ aufgelöst wird, weiß ich noch nicht. Das ist eine Organisationsentscheidung. Wichtig ist, dass die fehlende Kontrolle und mangelnde Zielgenauigkeit behoben wird", sagt Königshaus. Die Union spricht sich dagegen für das Fortbestehen des BMZ aus. Die CSU stellte in der Vergangenheit mehrere Entwicklungsminister und erhebt Ansprüche auf das BMZ. Aber auch die CDU interessiere sich für das Ministerium, verlautet aus Verhandlungskreisen.

Entwicklungshelfer lehnen den FDP-Vorschlag, das BMZ dem Außenminister zuzuschlagen, vehement ab. Dadurch werde die Entwicklungspolitik zu einer "Politik zweiter Klasse" degradiert, fürchtet Jörn Kalinski von Oxfam.

Auch Cornelia Füllkrug-Weitzel, Direktorin von Brot für die Welt, ist überzeugt davon, dass ein starkes Entwicklungsministerium gebraucht wird. Der zuständige Minister müsse auf der internationalen Bühne und in der deutschen Politik die Interessen der ärmsten Länder vertreten: "Die Entwicklungspolitik darf nicht zum Anhängsel der Außenpolitik werden." Füllkrug-Weitzel fordert, dass Entwicklungshilfe der Armutsbekämpfung und nicht außenwirtschaftlichen Interessen dienen müsse.