Auf ihrer Europareise machte US-Außenministerin Hillary Clinton auch Station in Russland. Bei ihrem Treffen mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow diskutierte Clinton auch über die strittigen Themen der amerikanisch-russischen Beziehungen. Dazu gehört der Atomkonflikt mit Iran, die Zukunft des Raketenschilds und der Einsatz in Afghanistan.

Clinton erhoffte sich von ihrem Besuch zudem Fortschritte in den Gesprächen um eine Erneuerung des am 5. Dezember auslaufenden Vertrages zur Verringerung der Atomwaffen in Russland und den Vereinigten Staaten. Laut diesem 1991 unterzeichneten Vertrag waren die Partner verpflichtet, die Anzahl der nuklearen Gefechtsköpfe auf jeweils 6000 und die der Träger auf jeweils 1600 zu reduzieren.

In diesem Punkt sind die beiden Länder Lawrow zufolge "wesentlich" vorangekommen. "Es gibt spürbare Fortschritte", sagte er nach dem Treffen in Moskau. Es seien viele offene Fragen geklärt worden. Grundlage für die Verhandlungen war ein erster konkreter Textentwurf für das Nachfolgeabkommen. "Wir sind sehr daran interessiert, mit Russland zusammenzuarbeiten", sagte Clinton.

Dies gilt auch für den Atomkonflikt mit Iran, in dem Washington und Moskau vorerst weiter auf eine diplomatische Lösung setzen wollen. "Die Zeit für Sanktionen ist noch nicht gekommen", sagte Clinton. Sie schloss Strafmaßnahmen gegen Teheran aber nicht grundsätzlich aus, da das Atomprogramm Irans "ein ernstes Problem" sei. Zwar habe Teheran das Recht auf eine zivile Nutzung der Atomenergie. Die internationale Gemeinschaft müsse jedoch restlos von der friedlichen Absicht dieses Atomprogramms überzeugt werden. Laut Lawrow sieht auch Russland das iranische Atomprogramm sehr kritisch. Extremer Druck auf Teheran sei derzeit aber "kontraproduktiv".

Zuletzt hatte Russland, Vetomacht im UN-Sicherheitsrat, Sanktionen gegen Teheran nicht mehr ausgeschlossen – und damit auch eigene ökonomische Interessen hintangestellt. Russland baut in Buschehr das erste Atomkraftwerk in Iran. Allerdings will auch Moskau eine militärische Nutzung von atomarem Spaltmaterial durch Teheran verhindern. So deutete Medwedjew an, dass der Kreml Sanktionen gegen Iran unterstützen könne. Zuletzt nannte er eine "Ausweitung des Klubs der Atommächte höchst unerwünscht".

Hilfreich für die Annäherung der amerikanischen und russischen Position war der Verzicht der USA auf den Aufbau eines Raketenschilds in Polen und Tschechien, den Obama Mitte September überraschend verkündet hatte. Auch der Raketenschild selbst sollte Gesprächsthema zwischen Clinton und ihren russischen Verhandlungspartnern sein. So wurden zwar die bisherigen Pläne ad acta gelegt. Inzwischen sind aber Gerüchte aufgetaucht, Teile des Raketenschirms könnten in der Ukraine oder im Kaukasus montiert werden, also noch dichter an den Grenzen Russlands als bisher angenommen. Außenminister Lawrow erwartet daher "Erläuterungen" zu den Plänen der USA.

Darüber hinaus wollte Clinton versuchen, Russland zu mehr Kooperation beim Einsatz in Afghanistan zu drängen. "Die Russen könnten Unterstützung in Afghanistan anbieten, etwa in Form von Waffen, Training und Anti-Drogenhandel-Kampagnen", verlautete aus dem Außenministerium in Washington.

Noch vor ihrer Reise nach Russland war Clinton nach Belfast und Dublin gereist. Der erste Besuch Clintons in Nordirland als Außenministerin diente dem Friedensprozess und galt als Fortsetzung der Außenpolitik der Clinton-Familie. Außerdem stand ein kurzer Besuch in der Schweiz auf dem Programm, bei dem die US-Außenministerin einer Vertragsunterzeichnung zwischen den Erzfeinden Türkei und Armenien beigewohnt hatte. In London schließlich beriet Clinton mit Premierminister Gordon Brown ebenfalls über den Afghanistan-Einsatz und das weitere Vorgehen im iranischen Atomstreit.