Die radikalislamische Hamas verbreitete in einer Erklärung, die Entscheidung von Abbas sei ein "zerstörerischer Schlag gegen alle Bemühungen um eine Versöhnung der Palästinenser".

Ein von Ägypten vermitteltes Versöhnungsabkommen zwischen den tief zerstrittenen Palästinensergruppen hätte eigentlich die Weichen für Wahlen am 28. Juni 2010 stellen sollen. Die Regierung in Kairo hatte dieses Datum als Kompromiss vorgeschlagen. Die Partei von Ministerpräsident Abbas, die gemäßigte Fatah, hat das Abkommen unterzeichnet, das darauf abzielt, die politische Spaltung zwischen dem Westjordanland und dem Gazastreifen zu beenden. Die Hamas hat sich bislang nicht klar dazu geäußert, ob sie ebenfalls unterzeichnen wird oder nicht.

Abbas hatte der Hamas daraufhin am vergangenen Samstag eine gezielte Verzögerungstaktik vorgeworfen. Bereits damals drohte er, die Wahlen – wie vom palästinensischen Grundgesetz vorgesehen – bereits im Januar statt finden zu lassen.

Der lange Machtkampf zwischen den verfeindeten Gruppen hatte im Juni 2007 seinen blutigen Höhepunkt erreicht, als die Hamas die alleinige Kontrolle im Gazastreifen übernahm. Seitdem herrschen im Westjordanland und im Gazastreifen zwei parallel agierende Regierungen, die sich gegenseitig nicht anerkennen.

In einem entsprechenden Dekret erklärte Abbas am Freitagabend, die Palästinenser in Jerusalem, im Westjordanland und im Gazastreifen seien eingeladen, an den Wahlen am 24. Januar teilzunehmen, wie die staatliche palästinensische Nachrichtenagentur Wafa berichtete.

Der Führer der Hamas, Ismail Radwan, erklärte dazu, Wahlen ohne vorheriges Versöhnungsabkommen auszurufen, untergrabe alle Versuche Ägyptens die Spaltung der Palästinenser zu überwinden. Die Hamas werde in Kürze auf offiziellem Wege auf das Dekret antworten.