Angela Merkel will Präsident Barack Obama bei ihrem Besuch in Washington zu weitreichenden Zugeständnissen im Klimaschutz drängen. Sie wolle eng mit den USA zusammenarbeiten und sich in den nächsten Wochen gemeinsam mit den Vereinigten Staaten auf den Kopenhagener Weltklimagipfel vorbereiten, kündigte sie in ihrem am Samstag veröffentlichten Video-Podcast an.

Noch sei nicht sicher, dass die Klimakonferenz im Dezember ein Erfolg werde, sagte Merkel. "Die Europäische Union und insbesondere die Bundesrepublik Deutschland werden aber darauf drängen, dass wir ambitionierte, zukunftweisende politische Beschlüsse in Kopenhagen treffen können." Die Bekämpfung des Klimawandels sei eine der unaufschiebbaren Aufgaben weltweit.

Ziel in Kopenhagen ist es, eine Nachfolgeregelung für das Kyoto-Protokoll von 1997 zu vereinbaren. Das Kyoto-Protokoll läuft 2012 aus. Es verpflichtet die Industrieländer zur CO2-Minderung. Die USA haben es nicht ratifiziert.

Die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise ist noch nicht überwunden.
Bundeskanzlerin Angela Merkel

Am Montag wird die Bundeskanzlerin in die USA reisen. Das Thema Klima werde ein Schwerpunkt ihres Aufenthaltes. Weiteres Gesprächsthema mit Obama werde die Bewältigung der weltweiten Wirtschaftskrise sein. "Die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise ist noch nicht überwunden, und wir haben auch noch nicht sichergestellt, dass sich eine solche Krise in Zukunft nicht wiederholen kann", sagte die Kanzlerin. Auch über den zunehmend problematischen Militäreinsatz in Afghanistan und das umstrittenen iranischen Atomprogramm soll gesprochen werden.

Zugleich dankte sie den USA für die Hilfe bei der Wiedervereinigung. Der damalige Präsident George Bush habe die Entwicklung nach dem Mauerfall vor 20 Jahren mit großer Begeisterung und viel Zuneigung begleitet und geholfen, dass Deutschland heute wiedervereinigt ein Partner in Europa und der transatlantischen Gemeinschaft sei.

Als erster deutscher Regierungschef seit Konrad Adenauer 1957 wird Merkel am Dienstag eine Rede vor beiden Kammern des US-Kongresses, Senat und Repräsentantenhaus, halten. Zuvor ist ein Treffen mit Obama geplant. Sollte Merkel in Washington beim Klimawandel Druck machen, könnte dies Obama durchaus zupasskommen. Ein Gesetzentwurf zum Klimaschutz wird derzeit im Senat von den Republikanern gebremst. Kommt es dort nicht zu Fortschritten, könnte dies auch Obamas Möglichkeiten für weitergehende Beschlüssen im Dezember in Kopenhagen beschneiden.

Nach Meinung des ehemaligen Vizepräsidenten Al Gore wird sich der US-Kongress bis zum Gipfel in Kopenhagen auf einen einheitlichen Entwurf für ein Klimaschutzgesetz einigen. "Deshalb stehen die Chancen gut, dass wir Amerikaner mit einem echten Verhandlungsangebot in Kopenhagen erscheinen", sagte Gore dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel.

Gore sagte voraus, Obama zum Gipfel in der dänischen Hauptstadt fahren werde. Zuletzt hatte es Spekulationen gegeben, Obama werde möglicherweise nicht teilnehmen. Stattdessen wolle er sich bei seiner Rede zur Verleihung des Friedensnobelpreises am 10. Dezember in Oslo auf Klima- und Umweltfragen konzentrieren. Eine Bestätigung des Weißen Hauses dafür gab es nicht. Auch hieß es, Obama mache eine Reise nach Kopenhagen von substanziellen Fortschritten bei der Vorbereitung des Klimagipfels abhängig.