Die bosnisch-serbische Kriegsverbrecherin Biljana Plavšić ist vorzeitig aus der Haft entlassen worden. Nach der Verbüßung von zwei Dritteln ihrer elfjährigen Haftstrafe wurde die 79-Jährige mit einem Sonderflug der Regierung der bosnischen Serbenrepublik von Schweden nach Belgrad geflogen. Hier will sie künftig leben.

Entsprechend einer Einschätzung der zuständigen Richter hatte Schwedens Regierung in der vergangenen Woche beschlossen, Plavšić vorzeitig zu entlassen. Als Grund führten die Richter an, dass Plavšić eine der wenigen Angeklagten gewesen sei, die im Prozess Reue für ihre Taten gezeigt habe. Dass sie sich freiwillig stellte und ein Teilgeständnis ablegte, wurde ihr ebenfalls positiv ausgelegt, ebenso ihre gute Führung während der Haftzeit.

Die vorzeitige Haftentlassung erscheint angesichts eines Interviews von Plavšić jedoch in einem zweifelhaften Licht: In dem einzigen Gespräch, das Plavšić Ende 2008 mit einer westlichen Journalistin geführt hatte, widerrief sie teilweise ihr Geständnis. "Sie gab zu, dass sie Reue über ihre vergangenen Taten nur verkündet habe, weil sie eine kürzere Gefängnisstrafe erhalten wollte. Sie sagte mir, dass sie Muslime noch immer hasse und überzeugt sei, dass al-Qaida im früheren Jugoslawien Trainingslager für 80.000 Soldaten unterhalten habe. Die Aufgabe dieser 80.000 sei es gewesen, die Zahl der Christen zu verringern, damit die Muslime im ehemaligen Jugoslawien die Macht übernehmen können", zitiert die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) die Journalistin Margaretha Nordgren.

Auch beschwerte sie sich über die Haftbedingungen im Frauengefängnis Hinseberg westlich von Stockholm. Hitlers Architekt Albert Speer sei in Spandau damals besser behandelt worden als sie in Schweden. Zudem koche Plavšić während ihres Haftaufenthalts selbst, "weil sie nicht mit anderen Gefangenen gemeinsam essen wollte. Es gab dort auch Muslime", zitiert die FAZ weiter.

In ihrer Stellungnahme während des Gerichtsverfahrens 2003 hatte sich Plavšić noch betont reumütig gegeben: "Das Wissen, dass ich für derartiges menschliches Leid und für die Verschmutzung des Charakters meines Volkes verantwortlich bin, wird immer mit mir sein".

Reaktionen in Belgrad negativ

Die ersten Reaktionen der Belgrader Bevölkerung auf die Freilassung von Plavšić waren äußerst negativ. Sie stecke "mit beiden Armen tief im Blut" und solle in Bosnien "die Flüchtlinge und Invaliden besuchen, die für sie nur Kollateralschäden sind", hieß es in Leserbriefen. Es sei "ein Skandal, dass jemand, der für Völkermord und den Tod und das Leid Tausender verantwortlich ist, nach acht Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird".

Plavšić war vom UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag im Februar 2003 wegen Verbrechen während des Bosnienkriegs 1992-95 verurteilt worden. Die Angeklagte hatte damals gestanden, während des Krieges Minderheiten aus religiösen, ethnischen und politischen Gründen verfolgt und dazu auch mit paramilitärischen Einheiten aus Serbien zusammengearbeitet zu haben.

Die Biologieprofessorin hatte im Bürgerkrieg als Stellvertreterin des derzeit ebenfalls vor dem UN-Tribunal in Den Haag stehenden bosnischen Serbenführers Radovan Karadžić besonders nationalistische und rassistische Positionen vertreten. "Ethnische Säuberungen" seien zur Schaffung eines Groß-Serbiens legitim, die muslimische Bevölkerung sei "genetisch deformiertes Material". Sie ließ sich mit den berüchtigtsten serbischen Paramilitärs in inniger Umarmung ablichten.