Die Islamisten hätten Kotkai am Dienstag zurückerobert, teilten Geheimdienstmitarbeiter laut Agenturberichten mit. Die Armee habe mit Luftangriffen auf Stellungen der Aufständischen in und außerhalb des Geburtsortes des Taliban-Kommandeurs Qari Hussain Mehsud reagiert. Mehsud wird auch als "Mentor der Selbstmordattentäter" bezeichnet.

Pakistans Militär hatte die Kleinstadt in Süd-Waziristan erst am Montag eingenommen. Kotkai ist von zentraler Bedeutung für den weiteren Vorstoß auf die Islamisten-Hochburg Sararogha. Bei der Einnahme wurden laut pakistanischem Geheimdienst Waffen und Sprengstoff sichergestellt.
 

Nach einer blutigen Terrorserie hatte die Armee am Samstag die neue Offensive gegen die Taliban in deren Hochburg Süd-Waziristan an der Grenze zu Afghanistan gestartet. Mehr als 30.000 Soldaten sind daran beteiligt. Ihnen stehen etwa 15.000 Taliban unter dem Kommando Mehsuds sowie Kämpfer des Terrornetzwerks al-Qaida gegenüber.

Offensive gilt als Test

Bei Gefechten am Sonntag waren nach Armeeangaben 60 Aufständische und fünf Soldaten getötet worden. Am Montag starben bei Gefechten in dem unwegsamen Stammesgebiet erneut zwei Soldaten. Aus Geheimdienstkreisen verlautete, Kampfflugzeuge hätten in der Nacht zahlreiche Stellungen der Aufständischen bombardiert und zerstört.

Eine unabhängige Bestätigung für die Angaben gibt es nicht, da die Armee Telefonverbindungen weitgehend unterbrochen hat. Auch die meisten Journalisten haben das Stammesgebiet verlassen. Die Offensive gilt als Test für die pakistanische Regierung, der zunehmenden Gewalt im Land Herr zu werden.

Angesichts der angekündigten Offensive gegen die islamistischen Militanten hatten diese in jüngster Zeit ihren Terror gegen die Sicherheitskräfte noch verstärkt. Bei einer Reihe von Anschlägen kamen in den vergangenen eineinhalb Wochen etwa 150 Menschen ums Leben. Am Dienstag gab es erneut einen Anschlag in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. Auf dem Gelände der Islamischen Universität sprengten sich zwei Selbstmordattentäter in die Luft. Mindestens vier Menschen starben, 40 wurden verletzt. Unter den Opfern befanden sich offiziellen Angaben zufolge auch die beiden Attentäter. Die Angriffe waren die ersten seit Beginn der Militär-Offensive.

Wieder Zehntausende auf der Flucht

Seit Beginn der Kampfhandlungen seien bislang mehr als 100.000 Menschen aus Süd-Waziristan geflohen, berichtete der Sender Geo TV am Montag unter Berufung auf das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) und die Armee. Die meisten suchten in den Nachbardistrikten Dera Ismail Khan und Tank Zuflucht.

In den nächsten Tagen werden Zehntausende weitere Menschen erwartet. Um zu verhindern, dass sich bewaffnete Extremisten unter die Zivilisten mischen, hat die Armee Kontrollpunkte eingerichtet.

Bereits im Juli dieses Jahres hatte es eine ähnliche Großoffensive Pakistans gegeben. Damals waren rund 1700 Aufständische getötet worden, zwei Millionen Menschen flohen vor den Gefechten.