Die ersten Plädoyers im Verfahren gegen Duch, den Leiter des Foltergefängnisses Tuol Sleng in Phnom Penh, haben stattgefunden, es war ein Tag des Triumphes. Ein Zeichen, dass es möglich ist, durch Beharren einzelner Menschen, durch die Solidarität einer globalen, der Gerechtigkeit sich verpflichtet fühlenden Gemeinschaft, durch den Mut und die Unbeugsamkeit von einzelnen Überlebenden des Pol Pot Regimes etwas dem Grauen entgegenzustellen, dem Tod von Millionen, die zwischen 1975 und Januar 1979 ausgelöscht wurden. Ein regelrechtes Gerichtsverfahren!

S 21, das Gefängnis der Roten Khmer: eine Fotostrecke

Nach quälenden dreißig Jahren der Straflosigkeit hat nun ein, wenn auch zähes, doch würdevolles und nach allen Regeln der juristischen Kunst gestaltetes Ringen um die Wahrheit stattgefunden. Um die Frage, was geschah in der ehemaligen Schule in dem Vorort von Phnom Penh, in der schätzungsweise 16.000 Menschen zu Tode gebracht wurden. Nach den Anordnungen des Gefängnisleiters Duch, der sich nun wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Versklavung, Folter, sexuellen Missbrauchs und anderer Taten verantworten muss. Und es ist ein Ringen, das nicht etwa im Sande verebbt, sondern, wie jetzt absehbar, in einem ordentlichen Urteil seinen Abschluss finden wird.

Dieser Tag der ersten Plädoyers gehörte den Opfern und ihren Angehörigen, und dass dies so war, wird Rechtsgeschichte schreiben. Erstmalig wurde den Opfern in einem Verfahren der internationalen Gerichtsbarkeit die Rolle der Nebenkläger zugestanden. Dass ausgerechnet in Kambodscha, welches in der Nachfolge des Völkermordes unter einer alle Lebensbereiche durchdringenden Kultur der Rechtlosigkeit leidet, dass sich in diesem kleinen, mit Elend und Armut kämpfenden Land, eine so weitreichende Neuerung der Gerichtsbarkeit durchsetzte, ist eine überraschende Fußnote der Historie.

Die Opfer, so die Plädoyers ihrer acht Anwälte, sind die Spiegel, in denen das Verbrechen erkennbar wird. An ihrem Leben und Leiden wird deutlich, welche furchtbare Kraft das Verbrechen entfaltet. Dass der Mensch nicht das Tier ist, zu dem ihn die Täter herabwürdigen wollten, diese Versicherung haben die Opfer im Schutz des Gesetzes erfahren, wie der französische Anwalt Philippe Canonne ausführte.

Wie ein Mensch ist, der solche Verbrechen begeht, auch das zeigte das Verfahren. Möglicherweise unscheinbar, ein kleiner alter Mann mit dem glatten Gesicht, taktierend mit Bezeugungen von Unwissenheit, im Kern aber ein aufstiegsgieriger Typ, der Befehle ausführte und eilfertig Wünsche von Befehlsgebern exekutierte, inmitten einer stinkenden, von den Schreien der Gefolterten durchschnittenen Hölle: "Emotionen waren nicht beteiligt", wie er aussagte. 

Das Urteil gegen Duch wird Anfang des Jahres erwartet und es ist eine gute Nachricht, dass das Bemühen um Gerechtigkeit in dem eigens zu diesem Zweck errichteten Gerichtsgebäude sich damit nicht erschöpfen wird. Das nächste Verfahren ist Case 002 gegen den ehemaligen stellvertretenden Parteisekretär Nuon Chea ("Brother No. 2") und den Außenminister Ieng Sary sowie Sozialministerin Ieng Thirith und Staatsoberhaupt Khieu Samphan. Erst vor wenigen Tagen veröffentlichten die zuständigen Richter eine Liste von 20 Gefängnissen, Hinrichtungsstätten und Konzentrationslagern, in denen Menschen so erbarmungslos vernichtet wurden wie in Duchs Tuol Sleng.