Das Wesen von Internetblogs liegt für gewöhnlich in der Kommunikation zwischen Blogbetreiber und Bloglesern. Dass ihr aber der mächtigste Mann der Welt, Barack Obama, antworten würde, das hätte die kubanische Bloggerin Yoani Sánchez wohl nicht für möglich gehalten.

In ihrem Blog Generacion Y, der aufgrund seiner regimekritischen Inhalte auf der karibischen Insel gesperrt ist, berichtet Sánchez seit über zwei Jahren über Dinge, die kubanische Staatsmedien lieber ignorieren. Erst kürzlich, am 7. November, bloggte sie ihre eigene Entführung durch drei unbekannte Männer, die sie und ihren Begleiter mit den Worten "jetzt ist Schluss mit deinen Mätzchen" in ein Auto zerrten und verprügelten. Andersdenkende werden in Kuba nicht gern gesehen – dafür aber im Rest der Welt, was die hohen Zugriffsraten von Generacion Y erklärt. Und offensichtlich auch das Interesse des Weißen Hauses.

Bedauernd, dass sich niemand von "da oben" mit dem politischen Kurs ihres Landes beschäftigen würde, hatte Sánchez vor drei Monaten sieben offene Fragen an Barack Obama geschrieben. Fragen, die sie nicht schlafen ließen, wie sie schrieb. Nun hat die kubanische Dissidentin tatsächlich Antworten aus Washington erhalten.

Der US-Präsident schreibt, dass er nicht an Gesprächen nur um der Gespräche willen mit dem kubanischen Staatsoberhaupt Raúl Castro interessiert sei. Weiterhin liege es an Kuba, normale Verhältnisse mit Washington herzustellen. Er machte aber auch deutlich, dass die USA keinerlei Absicht hätten, militärische Gewalt auf Kuba auszuüben.


Auf die letzte Frage, ob er nach Kuba reisen würde, antwortete Obama: "Ich werde es niemals ausschließen... Ich freue mich darauf, ein Kuba zu bereisen, in dem alle Bürger die gleichen Rechte und Möglichkeiten haben wie andere Bürger in der Hemisphäre."

Es darf indes bezweifelt werden, ob Obama höchstpersönlich die Antworten in seinen Laptop getippt hat. Wie die englische Tageszeitung the guardian auf ihrer Internetseite schreibt, hat das Weiße Haus zwar bestätigt, dass die Antworten vom Präsidenten stammen, jedoch hatte erst kürzlich die Meldung für Aufsehen und Enttäuschung gesorgt, dass der US-Präsident in seinem ganzen Leben noch nie getwittert habe – und das bei einer Twitterschaft von mehr als 2,7 Millionen Followern.

Bloggerin Sánchez freilich dürfte das alles wenig stören: Ihr Blog erhält durch die Korrespondenz – sei es nun mit Obama himself, seinem Betreuerstab oder einem Praktikanten – ohnehin erhöhte Aufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit ist schließlich die Währung, in welcher der Wert eines Blogs gemessen wird. Erst recht für eine Regimekritikerin, die solche Öffentlichkeit im Netz als Schutz dringend braucht.

Beflügelt von der überraschenden Kommunikationsbereitschaft des Staatsoberhauptes, legte sie jetzt nach: sechs Fragen an Raúl Castro veröffentlichte sie in ihrem Blog. Doch ob sie diesmal eine Antwort erhalten wird, darf bezweifelt werden.