Wen anrufen, wenn du Europa sprechen willst? Diese Frage stellte einst der damalige US-Außenminister Henry Kissinger. Jetzt steht zumindest fest, dass es eine solche Telefonnummer geben wird. Gleichwohl wird der Anrufer mit dem Namen, den er dort hören wird, wenig anfangen können.

Auf ihrer Suche nach geeigneten Persönlichkeiten für die Ämter des Ratspräsidenten und des "Außenministers" ließen sich die europäischen Staats- und Regierungschefs nicht von Kriterien wie internationalem Gewicht leiten. Davon hat Baroness Ashton profitiert, die zuvor eigentlich nur Brüsseler Insidern ein Begriff war, obwohl sie seit mehr als einem Jahr den Job des Handelskommissars der EU bekleidet.

Nun ist die 53-Jährige unverhofft auf dem wahrscheinlich wichtigsten Posten gelandet, den die Europäische Union zu vergeben hat. Baroness Ashton of Upholland, so ihr offizieller Titel, wird die nächsten fünf Jahre als "Hohe Vertreterin für die Außen- und Sicherheitspolitik" der EU fungieren. De facto ist ihr Job einflussreicher als der des Präsidenten, weil sich die Regierungschefs der EU beim Personalgeschacher in einem Punkt zumindest einig waren: Sie wollten die Gefahr vermeiden, dass der neue Präsident sie überstrahlen würde. Eine Bedingung, die der Belgier Herman Van Rompuy vollauf erfüllt.

Dagegen wird Catherine Ashton als High Representative der EU über eine Armee von gut 5000 Diplomaten und Bürokraten gebieten. Zudem sollen die Vertretungen der EU-Kommission im Ausland zu Botschaften umgebaut werden. Das allein garantiert ein gewisses Gewicht, auch wenn ihre Ankunft in den Hauptstädten der Welt mit Sicherheit den "Verkehr nicht zum stehen bringen wird", wie ein Diplomat süffisant, ein Zitat des britischen Außenministers Miliband aufgreifend, anmerkt. Ihr Name besitzt keinerlei internationalen Erkennungswert. Miliband wurde eine Zeit lang als heißer Favorit für den Posten gehandelt und hätte ihn wahrscheinlich auch erhalten, würde er nicht eine andere Karriere verfolgen: die Führung der Labourparty.