"Terror im Sudan" titelten Kairos Zeitungen, "Algerier raus", skandierten Tausende aufgebrachte Ägypter vor der algerischen Botschaft. Bis in die frühen Morgenstunden attackierten sie das Gebäude im Kairoer Stadtteil Zamalek mit Steinen und Feuerwerkskörpern, verbrannten unter lautem Gejohle algerische Flaggen. Mehrere Autos gingen in Flammen auf und viele Schaufenster zu Bruch – nur mit Mühe und hartem Knüppeleinsatz konnten schließlich die schwarzen Hundertschaften des Innenministeriums die Lage wieder unter Kontrolle bringen. Elf Beamte wurden verletzt, seitdem ist die Umgebung um die algerische Mission weiträumig abgesperrt.

Auslöser der Krawalle war ein Entscheidungsspiel zwischen Algerien und Ägypten am Mittwochabend, bei dem sich Algeriens Fußballteam dank eines 1:0-Sieges für die Weltmeisterschaft in Südafrika qualifizierte. Das Spiel musste auf neutralem Boden im Sudan ausgetragen werden, weil beide Mannschaften in den vorherigen Gruppenspielen mit exakt gleichem Punkte- und Torverhältnisstand abgeschnitten hatten. Bereits am Wochenende war es beim Heimspiel Ägyptens gegen Algerien in Kairo zu Ausschreitungen gekommen. Dabei wurden dutzende Fußballfans verletzt und zwei algerische Spieler nach Steinwürfen auf ihren Mannschaftsbus am Kopf getroffen.

Befeuert wurden die jüngsten Unruhen von groß aufgemachten Schlagzeilen in der Kairoer Presse, die Übergriffe algerischer Hooligans auf ägyptische Fans in der sudanesischen Hauptstadt Khartum anprangerten. Fotos zeigten bandagierte Köpfe, gebrochene Finger sowie einen sudanesischen Polizisten mit einem Schlachtermesser, das er zuvor einem algerischen Schläger abgenommen haben will. Augenzeugen beklagten, ihre Busse seien auf dem Rückweg zum Flughafen in regelrechte Steinhagel geraten. "Als wir ankamen, waren sämtliche Scheiben kaputt. Alle hatten wahnsinnige Angst, auch der Fahrer", berichtete einer.

Andere mussten sich offenbar stundenlang in sudanesischen Privathäusern verstecken. Zusätzlich erfuhren die ägyptischen Zeitungsleser von Familien, die sich in den letzten Tagen Hals über Kopf per Flugzeug von Algier nach Kairo retten mussten. Die meisten sind Angestellte bei dem ägyptischen Konzern Orascom, dem in Algerien ein Mobilfunkanbieter gehört. 15 Läden der Kette wurden verwüstet, genauso wie zwei Niederlassungen der ägyptischen Fluglinie Egypt Air – der Sachschaden beläuft sich nach Angaben der Firmen auf rund fünf Millionen Euro. So berichtete ein Geschäftsmann der Zeitung Almasry Alyoum, wie er von Sicherheitskräften in einem Restaurant in Algier vor Jugendlichen in Sicherheit gebracht werden musste und dann zusammen mit anderen Ägyptern als Polizisten verkleidet zum Flughafen eskortiert wurde.

Längst haben die Raufereien auf der Straße auch die politische Ebene erreicht. Die ägyptische Regierung rief am Donnerstag seinen Botschafter aus Algerien "zu Konsultationen" nach Kairo zurück und bestellte den algerischen Botschafter erneut ins Außenministerium, um ihm "die tiefe Empörung über die Angriffe gegen seine Bürger in Khartum" zu übermitteln. Sudan wiederum bestellte den ägyptischen Botschafter ein und protestierte gegen die "absolut übertriebene" Berichterstattung über die Vorfälle am Rande des Spiels. Dies beleidige das Land und seine Bevölkerung. Und der Chef der Arabischen Liga, Amr Mussa, rief inzwischen alle Seiten zur Besonnenheit auf: "Diese Affäre sollte auf ihre wirkliche Größenordnung reduziert werden – schließlich sind beides arabische Nationen", erklärte er.

Doch Ägypten, einmal in Fahrt, lässt sich nicht so leicht besänftigen. So kündigten seine Fußballgewaltigen ihre Mitgliedschaft im nordafrikanischen Fußballverband, wegen "systematischer Angriffe auf die eigenen Fans", wie es in dem Schreiben heißt. Kairos Gesundheitsminister Hatem al-Gabali allerdings musste am Freitag im staatlichen Fernsehen einräumen, es seien lediglich 21 Ägypter leicht verletzt aus dem Sudan zurückgekehrt.