Der gewählte Präsident kann die brasilianische Botschaft nicht verlassen, der selbst ernannte hat sich eine Zwangspause verordnet – das ist Honduras zwei Tage vor der Wahl. Vor fünf Monaten hatte ein Militärputsch gegen Präsident Manuel Zelaya das kleine Land in den Fokus der internationalen Politik katapultiert. Am Sonntag wählt das zerrissene Land einen neuen Präsidenten.

Als aussichtsreichster Kandidat gilt der rechtskonservative Großgrundbesitzer Porfirio "Pepe" Lobo von der Nationalen Partei. Der gestürzte Staatschef Zelaya und der international isolierte Übergangspräsident Roberto Micheletti treten nicht an. Um einen ungestörten Ablauf der Wahl zu garantieren, hat Micheletti sein Amt am Mittwoch für eine Woche niedergelegt. Nun wird das  mittelamerikanische Krisenland von seinem Amtschef Rafael Pineda Ponce regiert. Das Kommando über die Streitkräfte übt in den Tagen der Wahl laut Gesetz die nationale Wahlkommission aus.

Die politische Machtelite um Interimspräsident Micheletti hatte die Präsidenten- und Parlamentswahlen in der Hoffnung durchgesetzt, damit die zerstörerische Krise zu beenden, in die sie das Land mit der Absetzung des legitimen Präsidenten Manuel Zelaya im Sommer gestürzt hatte. Ob die Wahl aber tatsächlich einen Neuanfang bedeutet, hängt nach Einschätzung von Experten vor allem von der Wahlbeteiligung und der Anerkennung des Ergebnisses durch das Ausland ab.

Begonnen hatte die Krise, nachdem sich Zelaya, ein aus der konservativen Führungsschicht hervorgegangener Politiker, sich in seiner Amtszeit mit der Wirtschaftselite des Landes angelegt hatte. Nach seinem Wahlsieg vor vier Jahren war er politisch deutlich nach links gerückt. Manche der von ihm eingeleitete Sozialreformen hatten dem Land gut getan; Zelayas tatsächlicher Fehler war seine wachsende Sympathie für den autokratischen venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez und dessen sozialistisches Politikmodell. Das stieß auf die Ablehnung der wenigen wohlhabenden Familienclans, die alle wichtigen Wirtschaftszweige kontrollieren und unter sich aufgeteilt haben.

Zelaya geriet innenpolitisch immer mehr unter Druck, auch weil er sich mit der Legislative um die Besetzung des Obersten Gerichtes anlegte. Als er schließlich versuchte, am Parlament vorbei eine umstrittene Verfassungsänderung auf den Weg zu bringen, setzten das Oberste Gericht und der Kongress Zelaya mit Hilfe der Streitkräfte ab und brachten ihn außer Landes.

Doch im September gelang ihm heimlich die Rückkehr. Seitdem kämpft er, verschanzt in der brasilianischen Botschaft, um seine Rehabilitation.

Obwohl Zelayas vom Militär erzwungene Absetzung im Juni nicht mit den lateinamerikanischen Militärputschen der sechziger- und siebziger Jahre vergleichbar war, löste sie international Kritik aus und weckte düstere Erinnerungen an jene Zeiten, als in vielen lateinamerikanischen Ländern Diktatoren gewaltsam die Macht ergriffen - oft mit Unterstützung der US-Geheimdienste.

USA fürchten Einfluss Venezuelas