Die Regierung in Teheran kündigte am Sonntag den Bau zehn weiterer Anlagen zur Anreicherung von Uran an. Für fünf davon sollen die Arbeiten schon in den nächsten beiden Monaten beginnen. Internationale Beobachter werteten die am Sonntag über das staatliche Fernsehen verbreitete Ankündigung als Trotzreaktion auf eine neue Resolution der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) vom Freitag.

In dem unter deutscher Führung erarbeiteten und von 25 der 35 Länder des IAEA-Gouverneursrates verabschiedeten Papier wird eine stärkere Kooperation Irans verlangt. Außerdem wird ein Baustopp für eine zweite Urananreicherungsanlage in Fordo bei Ghom gefordert. Ferner verfügt Iran über eine Anreicherungsanlage in Natans, die bereits arbeitet und auf 54.000 Gaszentrifugen ausgelegt ist.

Unmittelbar nach der Verabschiedung der Resolution hatte Iran Konsequenzen angedroht und sprach von einem "feindlichen Akt". Parlamentspräsident Ali Laridschani nannte das Verhalten des IAEA-Gouverneursrates "eine lächerliche Politik von Zuckerbrot und Peitsche". Der Westen wirft der Islamischen Republik vor, unter dem Deckmantel der friedlichen Nutzung von Atomenergie den Bau von Nuklear-Waffen zu betreiben. Iran bestreitet dies.

Statt des Baustopps für die zweite Anlage will Iran nun zusätzlich zehn weitere mit einer Kapazität von zusammen 500.000 Zentrifugen bauen. Die Anlagen dienen dazu, natürliches Uran in einem technisch aufwendigen Prozess so aufzubereiten, dass es in Kernreaktoren als Brennstoff verwendet werden kann. Allerdings ist unter bestimmten Voraussetzungen auch eine Anreicherung zur militärischen Nutzung denkbar. Offiziell hat sich das Land aber zum Atomwaffensperrvertrag bekannt und dieses Bekenntnis am Wochenende erneuert.

Laridschani kündigte der Nachrichtenagentur Isna zufolge an, Iran werde ernsthaft darüber nachdenken, seine Politik zu ändern und die Zusammenarbeit mit der IAEA auf ein Mindestmaß einzuschränken. Entscheiden kann darüber aber nicht das Parlament, sondern lediglich der oberste Führer des Landes, Ajatollah Ali Chamenei.

Russlands Energieminister Sergej Schmatko traf am Sonntag in Teheran ein, um mit Irans Außenminister Manuchehr Mottaki und dem Chef der iranischen Atombehörde, Ali Akbar Salehi, über das Problem zu sprechen. Am Montag wollte er eine Atomanlage in Buschehr inspizieren, die Iran mit russischer Hilfe baut. Die ursprünglich für Anfang des Jahrzehnts und nach vielen Verzögerungen zuletzt für das Jahr 2009 geplante Fertigstellung der Anlage verzögert sich erneut.

Laridschani sagte, die Atomenergiebehörde sowie die Mitglieder des Weltsicherheitsrates und Deutschland hätten mit Iran nicht verhandelt, um eine Lösung zu finden. "Es ging ihnen um eine Art politischen Betrug", sagte der Parlamentspräsident, der früher selbst iranischer Chef-Atomunterhändler war. Iran werde jetzt die nächsten Schritte sehr genau beobachten und "entsprechend reagieren".

200 von 290 Teheraner Parlamentsabgeordneten verurteilten die Resolution des Gouverneursrates und riefen die Regierung auf, ihre Zusammenarbeit mit den Atomwächtern herunterzufahren. Sie warfen der IAEA vor, mit zweierlei Maß zu messen. Das iranische Volk habe dafür keinerlei Verständnis.