Ein Spezialkommando der israelischen Kriegsmarine hat nach Armeeangaben ein Schiff mit Hunderten Tonnen an Waffen und Munition für die pro-iranische Hisbollah im Libanon abgefangen. Die Waffen an Bord der unter der Flagge des Karibik-Staates Antigua fahrenden Francop stammten aus dem Iran, heißt es in einer Erklärung der israelischen Armee vom Mittwoch. Das Schiff gehört der in Neu Wulmstorf vor den Toren Hamburgs ansässigen Reederei Gerd Bartels. Der Eigner erklärte am Abend, er habe von dem Waffenschmuggel nichts gewusst. Der Frachter sei seit rund zwei Monaten von dem Cargo-Unternehmen UFS gechartert.

Ein ranghoher Militär sagte dem israelischen Rundfunk am Donnerstag, der Iran habe sich auf den Transport per See verlegt, weil der Landweg zu schwierig geworden sei. Dem Online-Dienst ynet sagte ein israelischer Militär: "Wir haben dem Iran, Syrien und der Hisbollah einen schmerzhaften und peinlichen Schlag versetzt." Er rechne damit, dass der Schmuggel-Krieg noch lange weitergehen werde. Israel geht davon aus, dass der Iran auch in der
Vergangenheit zivile Handelsschiffe als Tarnung für Waffenlieferungen an militante Gruppierungen benutzt hat. Der Marinechef Rani Ben Jehuda sagte, die Waffen an Bord des abgefangenen Schiffs hätten es der Hisbollah ermöglicht, Israel etwa einen Monat lang zu bekämpfen.

Israel warf dem Iran zudem einen Verstoß gegen Resolutionen des Weltsicherheitsrats vor, die den Export von Waffen untersagten. Teheran wies die Angaben zurück. "Der Bericht stimmt nicht. Das Schiff war von Syrien in den Iran unterwegs, an Bord sind syrische Waren, aber keine Waffen", sagte der iranische Außenminister Manutschehr Mottaki nach Angaben staatlicher Medien in Teheran.



Nach israelischen Armeeangaben hatte die Francop 40 Container mit jeweils bis zu 300 Tonnen Waffen und Munition an Bord, darunter auch Raketen vom Typ Katjuscha. Das Militärgerät sei als zivile Fracht getarnt gewesen. Das Schiff wurde in der Nacht zum Mittwoch rund 160 Kilometer vor der Küste Israels in der Nähe Zyperns aufgebracht und in den Hafen von Aschdod dirigiert.

Die Reederei Bartels erklärte in einer Stellungnahme weiter, der Vertrag verbiete dem Charterer zwar, "Ladung auf dem Schiff zu transportieren, welche im Widerspruch zu UN-Resolutionen" stehe. Der Inhalt der zu ladenden Container werde gegenüber der Reederei aber nicht deklariert. "Weder der Kapitän noch die Reederei wussten zu irgendeinem Zeitpunkt von Waffen."

Das Schiff fahre für die UFS im wöchentlichen Liniendienst zwischen dem ägyptischen Damietta, Limassol auf Zypern, Beirut im Libanon und dem türkischen Hafen Mersin hin und her. Anfang der Woche habe die Francop in Damietta Ladung aufgenommen, erklärte der Eigner.

Nach israelischen Angaben kam diese Ladung von Bandar-Abbas im Iran über den Suez-Kanal nach Damietta. Von dort sei der rund 140 Meter lange Frachter unterwegs zum syrischen Hafen Latakia gewesen. Die Waffen im Wert von Millionen von US-Dollar hätten demnach von Syrien über Land in den Libanon gebracht werden sollen.

Die Waffen seien in Containern hinter weißen Säcken mit Agrarerzeugnissen versteckt gewesen, hieß es aus Israel weiter. Der polnische Kapitän habe keinerlei Widerstand geleistet. Das israelische Fernsehen zeigte später Bilder von der Hafenanlage in Aschdod, auf denen Hunderte Kisten mit Waffen, darunter Raketen, Handgranaten und Panzerabwehrgeschosse, zu sehen waren.

Die Hisbollah hatte Israel in der Vergangenheit vom Südlibanon aus immer wieder mit Raketen angegriffen. Israel wirft dem Iran und Syrien vor, die verbündete Hisbollah entgegen allen UN-Resolutionen nach dem Libanon-Krieg vom Sommer 2006 wiederbewaffnet zu haben. Israelische Fernsehsender berichteten, das Schiff sei nach Hinweisen von Geheimdiensten seit Tagen beobachtet worden.

Der Reederei erklärte weiter, sie sei bislang nicht offiziell über den Inhalt der in Aschdod beschlagnahmten Containern informiert worden. Am Mittwochabend habe das Schiff den Hafen von Aschdod in Richtung Limassol wieder verlassen.