Frage: Präsident Obama scheint eine neue Russlandpolitik zu verfolgen, die versucht, Moskau zu mehr Kooperation mit dem Westen zu bewegen. Kann das Erfolg haben?

John McCain: Ach, es amüsiert mich bisweilen fast, wie ein paar Halbsätze aus dem Munde von Präsident Medwedews manchmal wie eine bahnbrechende Neuigkeit oder als Politikwechsel gefeiert werden. Wir wissen doch alle, wer in Russland wirklich das Sagen hat.

Frage: Russland gehört Putin, nicht Medwedjew?

McCain: Die harte Linie regiert, alle Indizien belegen, dass Putin die Zügel in der Hand hält. Die Menschenrechte werden missachtet, und demokratische Regeln werden verletzt. Anwälte sterben im Gefängnis, Menschenrechtsaktivisten werden auf offener Straße erschossen.
Frage: Ist Präsident Obama naiv im Umgang mit Russland und dem Iran?

McCain: Vielleicht nicht naiv – aber erfolglos! Ich habe immer gewarnt, dass Iran keine ernsthaften Zugeständnisse machen würden. Aber wir offerieren denen die globale Bühne für ihre radikale, islamistische Propaganda. Genauso habe ich nie geglaubt, dass Präsident Medwedjews flotte  Bemerkung über mögliche Sanktionen gegenüber Teheran bei den Vereinten Nationen wirklich ernst gemeint war. Ich habe offen den autokratischen Stil von Herrn Putin und Russlands Anspruch kritisiert, die Ukraine und Georgien als nahes Ausland zu kontrollieren. Ich sehe zwar keinen neuen Kalten Krieg voraus. Aber ich sehe ein Russland, dass in seiner Nachbarschaft einen strammen Kurs fährt und das intern Menschenrechte und Demokratie verletzt.

Frage: Wie sollte Europa mit Putins Russland umgehen – mehr Härte?

McCain: Vielleicht nicht Härte. Aber lasst uns zu unseren Prinzipien stehen! Eintreten für Menschenrechte! Für Demokratie! Wir müssen den Menschen beistehen, die nichts anderes wünschen als die Grundrechte, die jedem Menschen eigen sind.
Frage: Sie empfehlen eine fundamental andere Politik gegenüber Russland: Prinzipien statt mieser Kompromisse?

McCain: Nein, nein. Wir können sehr wohl gleichzeitig mit den Russen verhandeln. Wir sprechen mit ihnen gerade über eine Reduzierung der strategischen Atomwaffen. Aber wichtig ist, dass wir zugleich für Menschenrechte eintreten. Soeben haben wir das 20-jährige Jubiläum des Falls der Berliner Mauer gefeiert. Wie war das möglich? Weil Ronald Reagan dies von Gorbatschow verlangte: ‚Reißen Sie diese Mauer nieder!' Wir haben immer unsere Grundsätze verteidigt und die unveräußerlichen Menschenrechte, ob man in Odessa lebt oder in Ohio. Russland ist auf dem Weg zu Autokratie und Repression. Das muss man aussprechen. Das bedeutet nicht, dass wir ihnen den Krieg erklären.

Frage: Der Westen und die Nato haben damit zuletzt wenig erreicht. Nehmen Sie Georgien – was hat der Westen da ausrichten können nach dem russischen Einmarsch 2008?

McCain: Mit allem Respekt: Frankreichs Präsident Sarkozy hat da einen Waffenstillstand ausgehandelt und das als großen Erfolg hinausposaunt – aber bis heute halten sich die Russen einfach nicht daran. Wirkliche Vermittlung erfordert mehr als nur einen Foto-Termin. Russland hält noch immer fremdes Gebiet besetzt, handelt weiter gewaltsam und behandelt Abchasien und Südossetien völkerrechtswidrig als unabhängige Staaten. Das ist doch ein Witz!