Der langwierige Konflikt in Afghanistan wird laut einer Umfrage der Hilfsorganisation Oxfam unter Einheimischen hauptsächlich von Armut und Arbeitslosigkeit befeuert. Knapp drei Viertel der Afghanen bezeichneten demnach ihre eigene wirtschaftliche Situation als Hauptursache für die Unruhen, teilte Oxfam am Mittwoch in London mit. Jeder Zweite machte Korruption und eine unwirksame Regierung für den Konflikt verantwortlich. Nur etwa jeder Dritte nannte die radikalislamischen Taliban als Ursache, jeder Vierte die Einmischung anderer Länder. Die Organisation befragte 704 Afghanen.

Die Untersuchung macht außerdem deutlich, wie häufig Einheimische Opfer von Gewalt wurden und werden. Jeder Fünfte wurde seit dem Einmarsch der sowjetischen Armee vor 30 Jahren bereits einmal gefoltert. Jeder Zehnte saß mindestens ein Mal im Gefängnis. Drei Viertel wurden gezwungen, ihr Zuhause zu verlassen. Eine Entschädigung oder eine Entschuldigung hat nur jeder Hunderte bekommen.

Eine Mehrheit der Befragten fordert, dass Rechtsstaatlichkeit auf allen gesellschaftlichen Ebenen durchgesetzt und langfristig etabliert wird. Dazu zähle auch ein Ende der Kultur der Straffreiheit für Politiker, Würdenträger und Bessergestellte. Die Regierung müsse stärker gegen Korruption vorgehen.

"Es wird eine lange Zeit vergehen, bis die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und seelischen Narben verheilt sind", sagte Oxfam-Chefin Barbara Stocking. Die internationale Gemeinschaft müsse lernen, dass die Afghanen mehr als militärische Lösungen brauchen. "Ganz normale Afghanen wollen Frieden und ein Ende des Konflikts, und dass die Ursachen der Gefechte an der Wurzel bekämpft werden."