Am zweiten Tag seiner Nahost-Reise ist Außenminister Guido Westerwelle erstmals mit der Palästinenser-Führung zusammengetroffen. Im Gespräch mit Ministerpräsident Salam Fajad sprach er sich für eine schnelle Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern aus. "Wir müssen alles tun, um den Friedensprozess im Nahen Osten so schnell wie möglich wiederzubeleben", sagte der FDP-Politiker. Einen dauerhaften Frieden werde es nur mit einer Zwei-Staaten-Lösung geben.

Zu den unter deutscher Vermittlung laufenden Bemühungen um die Freilassung des in den Gazastreifen entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit, wollte Westerwelle keine nähere Auskunft geben. Er habe aber die Hoffnung, dass es zu einem "menschlich guten Ergebnis" kommen werde.

Der neue Außenminister verweilte nur für zwei Stunden im Westjordanland. Schwerpunkt seiner ersten Nahost-Reise seit dem Amtsantritt ist der Besuch in Jerusalem. Dort stehen noch Gespräche mit dem israelischen Staatschef Schimon Peres und Außenminister Avigdor Lieberman auf dem Programm. Im Mittelpunkt steht auch hier die Suche nach einer Friedenslösung in Nahost.

Zum Auftakt seines Antrittsbesuchs in Israel hatte Westerwelle am Montag trotz einer Reihe von Kritikpunkten die besondere Verpflichtung Deutschlands gegenüber Israel betont. "Wir haben als Deutsche eine besondere Verantwortung", sagte der FDP-Vorsitzende in Jerusalem beim Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem.

Zur Erinnerung an die sechs Millionen Juden, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden, legte er einen Kranz nieder. Ins Gedenkbuch trug sich der Außenminister mit den Worten ein: "Wir werden nicht vergessen, unsere Verantwortung bleibt – unsere Freundschaft wächst." Begleitet wird Westerwelle von der Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch.

Zuvor hatte sich Westerwelle mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zu einem etwa einstündigen Gespräch getroffen. Auch ihm gegenüber bekräftigte Westerwele, dass es aus Sicht der Bundesregierung keine Alternative zu einer Zwei-Staaten-Lösung zwischen Israel und den Palästinensern gebe. "Israel hat das Recht, in sicheren Grenzen zu leben", sagte er. Gleichzeitig gehe es auch darum, "dass die Palästinenser das Recht darauf haben, in einem eigenen Staat zu leben." Westerwelle forderte Israel auf, auf den Bau von weiteren Siedlungen in den besetzten Gebieten zu verzichten.