Es war ein kurzer Besuch gewesen, und die israelischen Medien haben am Ende auch nicht zuviel Aufhebens gemacht um den deutschen Außenminister. Und was die Journalisten am meisten interessierte – nämlich die brennende Frage nach dem Stand der Verhandlungen über einen Gefangenenaustausch mit der Hamas – darauf konnte oder durfte Guido Westerwelle keine Antwort geben.

Wobei ja die Selbstverständlichkeit, mit der heute die deutschen Bemühungen um die Freilassung des israelischen Soldaten Gilat Schalit aufgenommen werden – ja auch schon einiges aussagen über die bilateralen Beziehungen. Sie gelten als gut, vor allem dank Angela Merkels Popularität in Israel. Ihr wird geglaubt, was sie sagt. Davon hat Westerwelle erst einmal profitiert.

Es sieht so aus, als verfolge ihn der Schatten Jürgen Möllemanns stärker in Deutschland als hier. Natürlich werden die anti-semitischen Haltungen des Letzteren, die die gesamte FDP mit in Verruf gebracht hatten, nicht ausgeblendet. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass Westerwelle erst eine Zeit lang gebraucht hatte, um sich davon zu distanzieren.

Aber viele Israelis glauben auch, dass Fehler dazu da seien, um daraus zu lernen. So erinnerte man im Vorfeld der Reise vor allem auch an den Satz, den der heute 47-Jährige bei seiner nicht ganz unproblematischen Reise als Oppositionschef 2002 nach Jerusalem in das Gedenkbuch von Jad Vashem geschrieben hatte: "Die Geschichte endet nicht mit einer neuen Generation. Wir müssen weiter dafür Verantwortung übernehmen." Was das konkret heißt, muss sich bei Westerwelle erst noch herausstellen. Deshalb wird man in Israel genau darauf achten, wie die künftige Politik des deutschen FDP-Außenministers gestaltet sein wird.

Dass Westerwelle nicht nur neu im Amt, sondern auch ein Neuling im Nahost-Konflikt ist, haben seine Erklärungen gezeigt. Was das Streben nach einer Zwei-Staaten-Lösung angeht, hat er nur wiederholt, was alle anderen Europäer und Amerikaner derzeit auch sagen. Bei seiner "ausdrücklichen Unterstützung" des Plans des palästinensischen Ministerpräsidenten Salam Fajad, der eine einseitige Ausrufung eines Palästinenserstaates in zwei Jahren vorsieht, falls es bis dahin nicht zu einer Einigung kommt, fragt man sich jedoch, wie weit er wirklich mit den Details der festgefahrenen Situation vertraut ist.

Denn dies würde ein klares Abrücken von der bisherigen deutschen Position bedeuten. Auch ist nicht ganz klar, ob Westerwelle nun einen kompletten Siedlungsstopp wie die Palästinenser fordert, oder sich eben doch nur mit einem partiellen Baustopp zufrieden gibt, wie ihn die Israelis in Aussicht stellen.