Der Kommandeur des Amerikanischen Zentralkommandos, General David Petraeus, sagte vor dem US-Kongress, die Gewalt in Afghanistan werde kurzfristig weiter ansteigen. Fortschritte würden nur unter großen Schwierigkeiten und deutlich langsamer als im Irak erreicht. Petraeus hatte dort 2007 die Truppenaufstockung organisiert, als der damalige Präsident George W. Bush mehr als 20.000 zusätzliche Soldaten ins Zweistromland schickte. Mit der damaligen Strategie wird Obamas aktuelle Truppenerweiterung häufig in Zusammenhang gebracht.
 

Der für die Ausbildung der afghanischen Truppen zuständige US-General William Caldwell räumte ein, dass das von der Regierung in Washington gesetzte Ziel wohl nicht erreichbar sei. Aus Washington sei die Forderung gekommen, die afghanischen Truppen bis 2011 um 50 Prozent zu verstärken, sagte Caldwell während des Besuches von Verteidigungsminister Robert Gates in Kabul. Das entspreche einem Ausbau der Truppen auf 282.000 Soldaten und Polizisten. "Wir glauben, realistisch wäre eine Größe zwischen 250.000 und 280.000." Der Kommandeur der US- und Nato-Truppen in Afghanistan, General Stanley McChrystal, hatte gesagt, er würde eine Stärke der afghanischen Sicherheitskräfte von etwa 400.000 anstreben. Dafür würden vier Jahre benötigt.

Gates reiste am Montag nach Afghanistan, um die von Präsident Barack Obama verkündete neue Strategie im Kampf gegen die Taliban und al-Qaida darzulegen. Obama kündigte die Entsendung von 30.000 weiteren Soldaten an und will ab 2011 mit dem Abzug der US-Truppen beginnen. Parallel dazu sollen einheimische Sicherheitskräfte schrittweise die Verantwortung übernehmen. Gates zeigte sich zugleich überrascht über die Äußerungen des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai am Dienstag, dass es 15 bis 20 Jahre dauern würde, bis die afghanischen Streitkräfte das Land ohne ausländische Hilfe kontrollieren können.


Einen endgültigen Sieg über die Extremisten der al-Qaida hält General McChrystal erst nach der Ergreifung oder dem Tod ihres Anführers Osama bin Laden für möglich. Allein die Existenz Bin Ladens fache den Extremismus weltweit an, sagte McChrystal am Dienstag vor einem Ausschuss des US-Senats. "Ich glaube, dass er zum jetzigen Zeitpunkt eine Art Ikone ist; sein Überleben stärkt al-Qaida als Franchise-Organisation rund um die Welt."

Gates hatte am Wochenende eingeräumt, dass den USA seit Jahren keine verwertbaren Erkenntnisse über den Aufenthaltsort bin Ladens vorlägen. Der Sicherheitsberater von US-Präsident Barack Obama, James Jones, erklärte, bin Laden halte sich vermutlich in der Region Nord-Waziristen auf, "manchmal auf der afghanischen und manchmal auf der pakistanischen Seite der Grenze".