In den USA ist ein offenbar terroristischer Anschlag vereitelt worden. Ein 23-jähriger Nigerianer soll versucht haben, einen Sprengkörper während eines Fluges mit Delta-Northwest Airlines zu entzünden, teilten US-Regierungsbeamte mit. Der Mann sei aber von Passagieren und der Crew überwältigt worden. Die aus Amsterdam kommende Maschine, ein Airbus 330, habe sicher in Detroit landen können.

"Wir glauben, dies war ein versuchter Terrorakt", sagte ein Regierungssprecher, der anonym bleiben wollte. Der TV-Sender NBC berichtet unter Berufung auf Geheimdienstexperten, der junge Nigerianer habe Agenten einer Anti-Terror-Einheit erklärt, er habe Sprengstoff zünden wollen. Weiter habe er behauptet, Verbindungen zum Terrornetzwerk al-Qaida zu unterhalten.

Auch das Intel-Institut in Washington, das sich auf die Auswertung von terroristischen Internet-Seiten beschäftigt, sprach von einem "ernsthaften terroristischen Anschlagsversuch". Mehrere Passagiere hingegen sollen Zweifel daran geäußert haben, dass es sich tatsächlich um einen Terroranschlag handele.

Eine offizielle Bestätigung über den Vorfall gab es bislang nicht. Zunächst hatte es über mehrere Stunden geheißen, der Nigerianer habe auf dem Flug lediglich Feuerwerkskörper gezündet. Völlig unklar ist bislang auch, warum der Mann den Sprengstoff erst kurz vor Landung zündete.

Explosion an Bord des Airbus

Dem Täter war es gelungen, offenbar ein leicht entflammbares Pulver an seinem Bein versteckt an Bord zu schmuggeln. Er habe im Verhör gestanden, das Pulvergemisch mittels einer mit Chemikalien gefüllten Spritze zur Explosion bringen zu wollen, sagte der Regierungsmitarbeiter. Der Mann habe an seinem Bein Verbrennungen dritten Grades erlitten. Zwei Passagiere wurden nach Angaben der Fluggesellschaft leicht verletzt. Das FBI hat die Ermittlungen aufgenommen.

Augenzeugen berichteten von dem Anschlagsversuch. Eine Frau sagte dem TV-Sender CNN, ein junger Mann habe sich geistesgegenwärtig auf den Nigerianer geworfen, als dieser die "pulvrige Substanz" in Brand setzen wollte. Er habe den Mann innerhalb von Sekunden überwältigt. Der Mann sei darauf in die erste Klasse gebracht worden.

Über die Hintergründe der Tat kursierten in amerikanischen Medien verschiedene Versionen: Das Wall Street Journal berichtete unter Berufung auf US-Regierungsmitarbeiter, der Nigerianer habe im Verhör erklärt, dass al-Qaida-Kommandeure aus dem Jemen ihm den Sprengsatz gegeben und erläutert hätten. Der Sender NBC meldete dagegen, der Täter habe im Verhör behauptet, den Anschlag ohne Hintermänner geplant zu haben. Nach US-Fernsehberichten soll der Täter an einer Universität in London Ingenieurswissenschaften studiert haben.

Der vereitelte Anschlag weckte Erinnerungen an den sogenannten Schuhbomber Richard Reid, der vor acht Jahren bei einem Flug über dem Atlantik mit einem ähnlichen Plot gescheitert war. Der in Großbritannien geborene Reid, der sich selbst als Anhänger von Osama bin Laden bezeichnet hat, sitzt eine lebenslange Haftstrafe in den USA ab.

Verschärfte Sicherheitsmaßnahmen

US-Präsident Barack Obama war über den Vorfall informiert worden. Er ordnete erhöhte Sicherheitsmaßnahmen für Flugreisen an. Der Präsident werde weiter auf dem Laufenden gehalten, versicherte sein Sprecher Bill Burton. Obama befindet sich derzeit auf Hawaii im Weihnachtsurlaub.

Nach der Landung wurde das gesamte Gepäck der 278 Passagiere nochmals kontrolliert, wie die US-Behörde TSA mitteilte. Fluggäste müssten sich auf "zusätzliche Überprüfungsmaßnahmen" einstellen, um die Sicherheit auf nationalen und internationalen Flügen zu gewährleisten, erklärte das Heimatschutzministerium.