Nach Informationen der Sender BBC und CNN hatte der Vater des Terrorverdächtigen von Detroit die US-Botschaft in seiner Heimat Nigeria bereits vor "einigen Wochen" gewarnt, dass sein Sohn radikalisiert und gefährlich sei. Aus US-Sicherheitskreisen verlautete, dass daraufhin auch eine Akte angelegt worden sei und der junge Nigerianer auf eine Beobachtungsliste, die so genannte Terrorist Identities Datamart Environment-Tide, gesetzt wurde, in der etwa 500.000 Verdächtige stehen. Sein Name sei jedoch nicht auf eine engere Liste, die Terrorist Screening Data Base, gesetzt worden. Dies hätte für ein Flugverbot für ihn bedeutet, berichtete die BBC.

Der 23-jährigen Nigerianers Umar Faruk Abdulmutallab wollte eine Maschine der US-Fluggesellschaft Delta mit fast 300 Menschen an Bord am Freitag kurz vor der Landung in Detroit zum Absturz zu bringen. Der kleine Sprengsatz, den er zu zünden versucht hatte, enthielt nach ersten Ermittlungen PETN, ein hochexplosiver Sprengstoff. Der Nigerianer war von Crew und Passagieren noch rechtzeitig überwältigt worden.

Hätte dieser Plan, das Flugzeug zu zerstören, Erfolg gehabt, wären Dutzende von unschuldigen Menschen getötet oder verletzt worden.
US-Justizminister Eric Holder über den vereitelten Anschlag

Die US-Justiz hat Abdulmutallab mittlerweile angeklagt, er habe die Maschine zerstören wollen. "Hätte dieser Plan, das Flugzeug zu zerstören, Erfolg gehabt, wären Dutzende von unschuldigen Menschen getötet oder verletzt worden", sagte US-Justizminister Eric Holder. Der Vorfall werde weiterhin mit Hochdruck untersucht. Abdulmutallab sollte noch im Laufe des Samstags vor Gericht erscheinen.

Ein US-Regierungsbeamter sagte dem Fernsehsender CNN, es gebe keine Hinweise, dass Abdulmutallab eine feste Verbindung zu Osama bin Ladens Terrornetz al-Qaida habe. Er selbst behauptete nach seiner Festnahme, Kontakte zu islamischen Extremisten zu unterhalten und den Sprengsatz "im Jemen erhalten zu haben, zusammen mit Anweisungen, wie er zu benutzen ist". Nach ersten Verhören sehe es aber nach einem Einzeltäter aus, so offizielle Quellen

Sicherheitskontrollen verschärft

Nach dem vereitelten Anschlag auf eine US-Passagiermaschine wurden auch in Deutschland die Kontrollen im Luftverkehr verschärft. Wie das Bundespolizeipräsidium in Potsdam mitteilte, werde der Vorfall in Detroit zum Anlass genommen, die bestehenden hohen Sicherheitsstandards durch zusätzliche Kontrollmaßnahmen zu ergänzen. Die deutschen Sicherheitsbehörden stünden im engen Kontakt mit den Experten der amerikanischen Luftsicherheitsbehörde TSA. Zudem wurden Reisende in die USA gebeten, sich gegebenenfalls auf längere Wartezeiten einzustellen.

In den USA wurden die Kontrollen für alle Flüge umgehend durch das Heimatschutzministerium verschärft. Zugleich arbeiteten die USA eng mit anderen Regierungen zusammen, um die Sicherheitsvorkehrungen auf Flughäfen und in Maschinen zu verstärken, teilte die Heimatschutzministerin Janet Napolitano mit. Wer aus dem Ausland in die Staaten fliege, müsse sich auf zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen einstellen.

Auf EU-Ebene wird der Vorfall genauestens aufgerollt. Die EU-Kommission untersucht, ob alle Sicherheitsregeln in Europa eingehalten wurden. "Ich bin entsetzt über die versuchte Terrorattacke auf einem Flug von Amsterdam nach Detroit am Weihnachtstag", erklärte EU-Innen- und Justizkommissar Jacques Barrot. Niederländische Parlamentarier forderten eine lückenlose Aufklärung der Umstände. Das Justizministerium müsse erklären, wie der Nigerianer am Airport Schiphol explosionsfähiges Material mit an Bord der Maschine der Delta Airlines bringen konnte.

Täter studierte in London

Der junge Täter ist allem Anschein nach Sohn des früheren nigerianischen Ministers und Bankenchef Alhaji Umaru Mutallab. Der Terrorverdächtige hatte britischen Medienberichten zufolge zwischen 2005 und 2008 Maschinenbau am University College in London studiert. Am Samstag durchsuchte die britische Polizei seine Wohnung im Londoner West End in der Nähe von Oxford Circus.

Vor dem Anschlag hatte sich Abdulmutallab 20 Minuten auf der Bordtoilette aufgehalten, teilte das US-Justizministerium unter Berufung auf Zeugen mit. Nach der Rückkehr zu seinem Sitzplatz habe er eine Decke über sich ausgebreitet, daraufhin hätten Mitreisende Knallgeräusche wie von Feuerwerkskrachern gehört. Die Hosenbeine des Mannes und die Innenwand des Flugzeuges hätten Feuer gefangen. Als eine Stewardess ihn fragte, was er da habe, sagte der Nigerianer den Angaben zufolge: "einen Sprengsatz". Ermittler fanden in der Nähe seines Sitzes eine Spritze, die vermutlich Teil der Bombe war.

Der Mann war den Angaben zufolge von der nigerianischen Metropole Lagos aus zunächst nach Amsterdam geflogen. Dort wurde er Medienberichten zufolge abermals kontrolliert, bevor er den Flug 253 der zu Delta gehörenden Northwest Airlines nach Detroit bestieg. Abdulmutallabs Name habe allem Anschein nach nicht auf der Flugverbots-Liste des US-Heimatschutzministeriums gestanden. Allerdings soll Großbritannien dem Nigerianer wegen Sicherheitsbedenken die Einreise verweigert haben: Britische Behörden lehnten nach Regierungsangaben seinen Antrag auf ein neues Visum ab, das er nach seinem Studium in London erneut beantragt hatte.