Für die von Skandalen geplagte Bush-Regierung hagelt es noch im Nachhinein heftige Kritik von Bürgerrechtlern und Forschern: Unter der Regierung George W. Bushs waren 22 Millionen E-Mails verschwunden. Mittlerweile sind sie zwar wieder aufgetaucht, die Regierung habe das Problem allerdings absichtlich ignoriert und die Öffentlichkeit sogar belogen. Zudem habe sie über kein brauchbares System zur Datensicherung verfügt.

Computertechniker bargen den elektronischen Briefverkehr, nachdem zwei US-Organisationen die Regierung 2007 nach Berichten über Millionen von verschollenen Mails verklagt hatte. "Wir haben unser Bestes getan, so viele Mails wie möglich auf Notfallspeichern zu finden oder zu rekonstruieren", sagte am Montag Kristen Lejnieks vom Nationalen Sicherheitsarchiv der George-Washington-Universität, das einer der beiden Kläger war. Die Regierung ist gesetzlich verpflichtet, E-Mails zu speichern.

"Das Weiße Haus unter Bush hat dabei versagt, die verschwundenen Mails wiederzubekommen, und hat wissentlich ein kaputtes System zur Verwahrung elektronischer Daten benutzt", erklärte die liberale Beobachter-Gruppe "Bürger für Verantwortung und Ethik in Washington" (CREW), die andere Klägerin. Die Mails stammen den Angaben zufolge aus der Zeit zwischen 2003 und 2005. Die Berichte über ihr Verschwinden hatten 2007 für erheblichen Wirbel gesorgt. Seinerzeit war von fünf Millionen Mails die Rede gewesen.

Die Bush-Regierung habe "gelogen", als sie zunächst behauptet habe, es gebe keine verloren gegangenen elektronischen Briefwechsel. Dokumente zeigten nun, dass das Weiße Haus seinerzeit "das Problem absichtlich ignorierte und zuließ, dass es schlimmer wird", hieß es. "Wir werden niemals genau wissen, was mit all den verschwundenen Mails passierte", sagte CREW-Direktorin Melanie Sloan. "Aber wir wissen, dass die Öffentlichkeit nie die ganze Geschichte erfuhr."

Der Rechtsstreit zwischen den Organisationen und dem Weißen Haus gilt damit als beigelegt. "Ein Lob für die Obama-Regierung für ihre Bemühungen, das Daten-Chaos der Vorgängerregierung in Ordnung zu bringen", sagte Sheila Shadmand vom Sicherheitsarchiv. Die Regierung könne nun in den wiedergefundenen E-Mails suchen. Es sollen jedoch nur 94 Tage an Mail-Verkehr aus der fraglichen Zeit im System des Weißen Hauses zurückinstalliert werden, weil für mehr das Geld fehle.

Die US-Bürger werden sich allerdings gedulden müssen, wollen sie Einblick in die Mails erhalten. Der Briefverkehr wird nun den üblichen Prüfungen des US-Nationalarchivs unterzogen. Aufzeichnungen und Dokumente der Bush-Regierung würden frühestens 2014 an die Öffentlichkeit gegeben, hieß es in US-Medien.