Wenn am Freitag in Kopenhagen die Klimadelegationen zu den entscheidenden Beratungen zusammenkommen, wird Chinas Premier Wen Jiabao ein gewichtiges Wort mitreden. Das muss er auch, ist China doch das Land mit dem größten Ausstoß von Klimagasen weltweit, und das noch vor den USA. Doch will Peking heute von dieser Rolle nichts wissen. Es sieht sich vielmehr in der Position eines Entwicklungslandes, das von den Industrieländern drastische CO2-Einsparmaßnahmen fordert. Und das auch nicht ganz zu Unrecht.

Zum einen betragen nämlich die Pro-Kopf-Emissionen eines Chinesen nur ein Fünftel derjenigen eines Amerikaners. Außerdem fordert China - wie andere aufstrebende Schwellenländer auch - die Möglichkeit ein, sich zu industrialisieren, so, wie es auch die wirtschaftlich starken Länder des Norden in den vergangenen 100 Jahren getan haben. Und diese haben das im Übrigen unter hohem Einsatz von Klimagasen getan. Mehr noch, Su Wei, Chinas Verhandlungsleiter in Kopenhagen, argumentiert auf dieser Linie konsequent weiter gegen die Vereinigten Staaten, die unter den entwickelten Staaten mit einer besonders schlechten Energieeffizienz aufwarten: "Die Emissionen der USA steigen noch immer, obwohl das Land schon lange voll industrialisiert ist."

Nach dem Szenario der UN-Klimaexperten müssten die reichen Nationen ihren CO2-Ausstoß bis 2020 um 25 bis 40 Prozent unter das Niveau von 1990 drücken, wenn die schlimmsten Folgen des Klimawandels verhindert werden sollen. Deren bisherige Angebote liegen bei einer Treibhausgas-Reduzierung zwischen 14 bis 18 Prozent. Für weitergehende Schritte fordert der UN-Klimarat aber genauso einen Beitrag der aufstrebenden Schwellenländer wie China oder Indien, die längst große CO2-Emittenten geworden sind.

Doch Peking will - ähnlich wie beispielsweise Indien - keine verbindlichen Ziele zur Senkung von Treibhausgasen festlegen. Denn wie die meisten Industriestaaten sieht es sein Wirtschaftswachstum gefährdet und versucht daher, um internationale Verpflichtungen herumzukommen. Für seine gigantischen Wachstumsraten - Deutschland kennt so was zuletzt aus den fünfziger Jahren - braucht China jeden Funken Energie. Diese wird aber bislang zu annähernd 70 Prozent von der Kohle erzeugt.

Die Energiewende steht daher in der Volksrepublik noch aus, obwohl das Land jede erdenkliche Energieressource zu nutzen versucht, und das sind immerhin auch kohlenstoffarme und -freie Techniken. So gibt es praktisch kein Fließgewässer mehr, bei dem die Wasserkraft nicht zur Stromerzeugung genutzt wird. Es werden riesige Windpark geplant und gebaut und große Summen in Solartechniken investiert. Doch wie schnell die Kohleabhängigkeit beendet werden kann, ist heute nicht abzusehen.