Rahman: Filter gibt es, aber für die einfachen Leute sind sie viel zu teuer, auch wenn man sie nicht in Deutschland, sondern in China kauft. Wir wollen das Süßwasser in Auffangbecken speichern, das während der Monsunmonate herabregnet, und sie mit Dämmen und Barrieren gegen das Salzwasser schützen. Dann kann das Wasser auf die Felder gebracht werden. Die Bauern müssen auch ganz neue Anbauzyklen lernen. Das alles ist extrem wichtig in einem Land, in dem rund zwei Drittel der Bevölkerung ihr Einkommen aus der Landwirtschaft bezieht.

ZEIT ONLINE: Der Ackerbau ist das eine, aber wie schützen sie sich vor den Stürmen?

Rahman: In den Dörfern sollen Baumalleen als Windbarrieren gepflanzt werden. Wir wollen versuchen, die Dörfer höher zu setzen, damit sie besser gegen Hochwasser gewappnet sind. Mit Unterstützung von Brot für die Welt und der Diakonie haben wir auch schon 4000 Häuser neu gebaut, die festere Mauern haben. Beinahe 90 Prozent davon haben die beiden jüngsten Zyklone überstanden. Aber wir brauchen auch noch viel mehr Schutzunterkünfte. Im Moment liegen oft zehn Kilometer dazwischen. Wir denken jetzt über kleinere Gebäude in den Dörfern nach, die so hoch gebaut werden, dass das Wasser darunter her fließen kann. Die kann man in den gefahrlosen Zeiten vielleicht auch als Saatgutspeicher nutzen. 

ZEIT ONLINE: Das alles ist sehr teuer, selbst wenn Unterstützung aus dem Ausland kommt. Können die Dorfbewohner einen Anteil der Kosten aufbringen?

Rahman: Ein stabiles Haus, das 150 Stundenkilometer Windgeschwindigkeit übersteht, kostet rund 1000 Euro. Solche Summen stehen völlig außerhalb der Möglichkeiten für die Familien. Aber sie geben ihre Arbeit; gemeinschaftlich bauen die Familien füreinander. Wenn wir Schutzunterkünfte oder einen Teich anlegen, dann stellen die Gemeinden oft das Land umsonst zur Verfügung. Wenn man allerdings an die Summen für größere Eindeichungen denkt: solche Anpassungskosten gehen in die Millionen.

ZEIT ONLINE: Wie viel wissen die Menschen von den Ursachen des Naturchaos, die so weit entfernt liegen?

Rahman: Kürzlich war ein Entwicklungspolitiker zu Besuch, der war ganz erstaunt, dass selbst ein alter Mann in einer der abgelegensten Gegenden ganz selbstverständlich von Treibhausgasen sprach. Aber nicht alle kennen die Ursache ihrer Probleme, und oft werden sie von Leuten informiert, die ihnen nur Angst machen, und Wut.

ZEIT ONLINE: Sind Sie selbst nicht zornig? Schließlich baden die Armen in Bangladesh Probleme aus, die andere verursacht haben, noch dazu die Reichen?

Rahman: Natürlich macht einen das auch zornig. Aber man muss Lösungen suchen und nicht schon aufgeben, ehe man überhaupt begonnen hat.

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