Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt weitere deutsche und europäische Vorleistungen zur Erreichung eines weltweiten Klimaschutzabkommens in Kopenhagen strikt ab. "Wir werden nicht zulassen, dass Deutschland und die anderen europäischen Industriestaaten weit voran gehen beim Klimaschutz, andere nichts tun und dann Arbeitsplätze bei uns abwerben mit dem Argument, weniger Kosten für den Klimaschutz. Das ist mit mir nicht zu machen und deshalb brauchen wir ein globales Abkommen," sagte Merkel der Bild am Sonntag.

Merkel machte deutlich, dass es in Kopenhagen nur eine Verständigung auf die "zentralen politischen Ziele" geben werde: "Ein völkerrechtliches Abkommen muss dann im nächsten Jahr mit den juristischen Details folgen." Nach den Worten der Kanzlerin kann "weder ein Land noch ein Kontinent alleine das Klima retten. In Kopenhagen geht es daher um globale Verantwortung. Hier kann sich kein Land aus der Pflicht stehlen."

Das Klimaschutzabkommen, auf das sich nächste Woche 192 Staaten in Kopenhagen verständigen wollen, muss nach den Worten Merkels die Erderwärmung wirksam begrenzen. "Die Begrenzung der Erderwärmung ist der entscheidende Maßstab. Ich bin vorsichtig optimistisch, dass wir eine solche Einigung schaffen können. Darüber habe ich in der vergangenen Woche auch mit den Ministerpräsidenten von China und Indien telefoniert, die wir für eine solche Einigung brauchen."

Die Weltklimakonferenz in Kopenhagen tritt nach Abschluss der ersten Woche in ihre entscheidende Phase. Die Umweltminister der Teilnehmerstaaten wollen am Samstag den Entwurf für ein globales Abkommen erörtern. Über Punkte, in denen sie sich nicht einig werden, sollen die Staats- und Regierungschefs entscheiden. Sie werden am Donnerstag in Kopenhagen erwartet.

Am Freitag hatten die Vereinten Nationen auf dem Kopenhagener Weltklimagipfel einen ersten offiziellen Entwurf für das Schlussabkommen vorgelegt und erstmals konkrete Ziele genannt. Demnach sollen die Industrieländer ihre Emissionen im Vergleich zu 1990 bis 2020 um 25 bis 40 Prozent vermindern. Für Entwicklungsländer ist eine Verminderung der Emissionen um 15 bis 30 Prozent bis 2020 vorgesehen, allerdings im Vergleich zu dem Ausstoß, der ohne Klimaschutz erreicht worden wäre.

Als langfristiges Ziel sollen alle Länder zusammen für die Jahre 1990 bis 2050 eine Reduktion der Treibhausgase um 50 bis 95 Prozent erreichen. In diesem Zeitraum sollen Industrieländer ihre Treibhausgase um 75 bis 95 reduzieren. Als Ziel aller Maßnahmen gegen die drohende Klimakatastrophe wird in dem von einer UN-Arbeitsgruppe vorgelegten Dokument sowohl eine Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs um höchstens 1,5 Grad wie auch um zwei Grad genannt.

 

In Kopenhagen wird heute eine Großdemonstration erwartet. Mehr als 500 Organisationen mit bis zu 60.000 Teilnehmern wollen ein weiter gehendes Klimaschutzabkommen und massive Klimahilfen der reichen Staaten an die Entwicklungsländer fordern.