Nach der Tötung von 57 Zivilisten im Süden der Philippinen, darunter Politiker und Journalisten, am 23. November hat die Regierung den Ausnahmezustand über die Provinz Maguindanao verhängt. Die Armee übernahm die Kontrolle über die Verwaltung und alle wichtigen Regierungseinrichtungen in dem Gebiet, rund 900 Kilometer südlich der Hauptstadt Manila.

Präsidentin Gloria Macapagal-Arroyo erklärte, in der Region hätten "schwer bewaffnete Gruppen Stellungen bezogen, um sich den Regierungstruppen zu widersetzen". Zuvor hatte sich nach Armeeangaben der Gouverneur der Provinz, Andal Ampatuan Senior, den Behörden gestellt. Er ist das Oberhaupt des politisch einflussreichen Familienclans, der hinter dem Massaker stecken soll. Sein Sohn Andal Ampatuan junior ist bereits wegen 25-fachen Mordes angeklagt und ist seit Tagen in Haft.

Nach Angaben Arroyos waren "Ruhe und Ordnung in Magundanao derart gestört, dass das Rechtssystem in der Provinz nicht mehr funktionierte". Dadurch sei die "öffentliche Sicherheit bedroht". Nun hätten die Sicherheitskräfte größeren Spielraum bei den Ermittlungen. Unter anderem sind sie unter dem Kriegsrecht befugt, Verdächtige ohne Haftbefehl gefangen zu nehmen. Der Ausnahmezustand muss laut Verfassung binnen 48 Stunden vom Parlament bestätigt werden.

Den Ermittlungen der Polizei zufolge hat Andal Ampatuan junior vor knapp zwei Wochen 100 Bewaffnete bei dem Überfall auf den Autokonvoi mit Angehörigen und Sympathisanten des Mangudadatu-Clans angeführt. Die Opfer wurden verschleppt und ermordet. Darunter waren auch mehr als zwei Dutzend Journalisten. Sie wollten dokumentieren, wie die dann Ermordeten den seit Jahrzehnten in der Provinz dominierenden Familienclan herausforderten. Die Anhänger und Angehörigen des Politikers Esmael Mangudadatu wollten die Papiere für dessen Kandidatur als Gouverneur einreichen. Diesen Posten strebte auch der verhaftete Ampatuan junior an.

Die Ampatuan-Familie hat in der Region rund 930 Kilometer südlich von Manila seit Jahrzehnten das politische Sagen. Sie stellt sowohl den Gouverneur der Provinz Maguindanao als auch den Gouverneur der größeren, übergeordneten Autonomen Region Muslimisch-Mindanao. Die Präsidentin distanzierte sich inzwischen von den einst engen Verbündeten. Sie ließ den Festgenommenen, seinen Bruder und den Vater aus ihrer Partei ausschließen.