Wehe den Piraten! Aus dem weihnachtlich erleuchteten Bundeskanzleramt dringt Säbelgerassel bis zum Golf von Aden. Und dem somalischen Seeräuber läuft’s kalt den Rücken runter und die Korsarenstirn wirft Falten. Deutschland bläst zur großen Piratenhatz.

Großadmiralin Merkel und ihr Kabinett wollen die deutsche Beteiligung an der europäischen Anti-Seeräuber-Mission Atalanta verlängern. Zwölf weitere Monate soll der Stolz der deutschen Flotte im Dreieck der Furcht, zwischen Somalia, dem Jemen und Kenia, kreuzen.

„Aufgabe von Atalanta ist es, vor der Küste Somalias Piraten zu bekämpfen und abzuschrecken“, posaunt die Regierung. Abschrecken ist nicht immer einfach. Das weiß jeder, der sein Frühstücksei weich mag. Weich mag es auch die Politik, deswegen sollen die Einsätze der Bundeswehr niemandem wehtun. Da wird’s mit dem Abschrecken richtig schwer.

So einfach wie beim Räuber und Gendarm spielen, läuft es vor Somalia nicht: Die deutschen Gendarmen sollen die Räuber nicht jagen. Nur falls die Seesoldaten zufällig vorbeituckern, dürfen sie den Schurken auf die Finger hauen. (Das ist natürlich bildlich gemeint!)

Sobald die Räuber gefangen sind, macht das Spiel den Gendarmen keinen Spaß mehr. Die Regeln werden komplizierter: Die strengen Uniformierten dürfen die frechen Freibeuter nicht in die Zelle sperren. Die Piraten landen im Partyzelt auf dem Oberdeck. Rum gibt es dort keinen, dafür ein Dixi-Klo.

Die Soldaten nehmen den somalischen Störtebekern die Waffen weg, schmeißen diese ins Meer und schimpfen „böse, böse, böse“. Dann bringen die Marinejungs ihre Gefangenen nach Kenia vor den Richter oder setzen sie am Strand aus.

Aber erstmal müssen sie jemanden finden: „Der um die Seychellen erweitere Einsatzraum von Atalanta hat jetzt eine Größe von mehr als fünf Millionen Quadratkilometern. Das entspricht in etwa dem Fünfzehnfachen der Fläche Deutschlands, verkündet die Regierung. Ein deutsches Schiff für 5.000.000 Quadratkilometer. Man wächst an seinen Aufgaben.

Klingt nach Seemannsgarn? Stimmt aber alles. Die schönsten Geschichten schreiben immer noch die deutschen Bürokraten.