Afghanistan – mehr Soldaten, weniger Sicherheit und eine manipulierte Wahl

Seit nun acht Jahren ist die internationale Gemeinschaft mit Zehntausenden Soldaten, Aufbauhelfern und Ausbildern in Afghanistan im Einsatz, doch verbessert hat sich am Hindukusch auch 2009 wenig. Im Gegenteil, vieles ist schlimmer geworden in diesem Jahr, das doch nach dem Willen des neuen US-Präsidenten ein Jahr des Aufbruchs werden sollte. Denn für Barack Obama war Afghanistan der "richtige" Krieg – im Gegensatz zu dem im Irak – der unbedingt zu einem guten Ende geführt werden müsse.

Zwei Monate nach seiner Amtseinführung verkündete er seine neue Strategie. Zusammengefasst lautete sie: mehr Soldaten, eine verstärkte Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte, mehr ziviler Wiederaufbau und eine Aufstandsbekämpfung wie 2007 im Irak. Doch am Ende des Jahres steht die ernüchternde Bilanz, dass auch mit fast 100.000 westlichen Soldaten keine Verbesserung der Situation im Land eingetreten ist. In vielen Regionen haben Taliban die Kontrolle übernommen, nach wie vor kommen 90 Prozent des weltweiten Rohopiums aus Afghanistan, die Sicherheitslage ist vielerorts schlimmer denn je. Allein bis August starben mehr als 1500 Zivilisten, die Wochen vor und nach den Präsidentschaftswahlen waren die blutigsten seit der Invasion 2001.

Überhaupt, die Wahlen: Sie waren der politische Tiefpunkt dieses Jahres, die internationale Gemeinschaft versagte hier komplett. Lud sie den Urnengang im Vorfeld mit unerfüllbaren Erwartungen auf, sah sie im Nachhinein generös über die eklatanten Wahlfälschungen hinweg. Am Ende musste sie Hamid Karsai zur Wiederwahl gratulieren, obwohl ihm bestenfalls 18 Prozent der Wahlberechtigten die Stimme gegeben hatten. Ein angeschlagener, nicht legitimierter Präsident aber, ist das, was Afghanistan auf seinem Weg zur Stabilisierung am wenigsten hilft.

Auch ist fraglich, ob die zusätzlichen 30.000 US-Soldaten, die Obama bald an den Hindukusch schicken will (plus 5000 weitere von anderen Nato-Ländern) den zentralen Wunsch der Afghanen werden erfüllen können: endlich in Sicherheit zu leben. Die Zeit dafür wird knapp, in anderthalb Jahren schon will der US-Präsident seine Soldaten aus Afghanistan nach und nach abziehen.