Nach dem vereitelten Anschlag auf ein Passagierflugzeug in den USA ermittelt die britische Polizei Spuren des mutmaßlichen Täters in London. Auf Bitten der amerikanischen Sicherheitsbehörden vernimmt Scotland Yard Personen und durchsucht verschiedene Gebäude, berichten amerikanische Medien. Der 23-jährige Nigerianer Farouk Abdulmutallab soll am Londoner University College Maschinenbau studiert und in der Stadt gewohnt haben. "Wir arbeiten eng mit den US-Behörden zusammen", sagte eine Polizeisprecherin. Personen aus dem Umfeld des Verdächtigen würden befragt und seine Wohnung durchsucht. Seine Identität könne wegen der laufenden Ermittlungen aber nicht bestätigt werden.
 

Der Mann hatte am ersten Weihnachtsfeiertag versucht, in einem Airbus der US-Gesellschaft Delta Airlines kurz vor der Landung in Detroit eine "pulvrige Substanz" zu entzünden. Laut britischen Medienberichten soll er die Substanz – eine Mischung aus Puder und einer Flüssigkeit – im Jemen in Empfang genommen haben. Von dort aus sei er zunächst in sein westafrikanisches Heimatland gereist. In Lagos habe er dann eine Maschine der Fluggesellschaft KLM nach Amsterdam genommen, wo er schließlich in den von Delta betriebenen Northwestern-Flug 253 nach Detroit umgestiegen sei.

Auf keiner der Stationen ist er dabei aufgefallen. Obwohl er Berichten zufolge den Geheimdiensten bekannt war. Man habe ihn als nicht besonders gefährlich eingestuft, hieß es, sodass seine Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt worden war. Auch bei Sicherheitskontrollen an den Flughäfen hat niemand die an seinem Bein versteckte Ladung bemerkt.

Die hat er dann – zumindest berichteten das Passagiere der Maschine – kurz vor der Landung versucht zu zünden. Fluggäste berichteten, es habe einen Knall wie von einem Feuerwerkskörper oder einem platzenden Ballon gegeben und sie hätten Rauch gerochen. Kurz drauf habe es viel Gebrüll und Panik in der Maschine gegeben. "Es ging alles ganz schnell", sagte eine junge Frau.

Mehrere Augenzeugen sagten dem TV-Sender CNN, ein drei oder vier Reihen hinter dem Nigerianer sitzender Mann habe sich geistesgegenwärtig auf ihn geworfen und ihn innerhalb von Sekunden überwältigt.Andere Passagiere und Mitglieder der Crew seien dann hinzugestürzt und hätten die brennende Kleidung des Nigerianers gelöscht und ihn anschließend in die erste Reihe der ersten Klasse gebracht. Dort sei er dann ausgezogen und durchsucht worden.

Der Täter habe starke Brandverletzungen an Beinen und Hüfte erlitten, aber keine Anzeichen von Schmerzen gezeigt, wird ein Passagier von CNN zitiert. Zwei weitere Passagiere seien leicht verletzt worden.

Mehrere Passagiere äußerten Zweifel, dass es sich dabei überhaupt um einen Terroranschlag gehandelt habe. Der Nigerianer wurde nach der Landung festgenommen und in ein Krankenhaus gebracht. Laut Medienberichten identifizierten ihn US-Behörden als Farouk Abdulmutallab. Unklar war zunächst, ob er allein handelte oder einer Terrorgruppe angehört. Der TV-Sender NBC berichtet unter Berufung auf Geheimdienstexperten, der Nigerianer habe Agenten einer Anti-Terror-Einheit erklärt, Verbindungen zum Terrornetzwerk al Qaida zu haben.

CNN berichtete, dass es nach ersten Verhören des Mannes eher nach der Tat eines Einzeltäters aussehe. "Er erzählt eine Menge" gegenüber dem FBI, zitierte der Sender einen namentlich nicht genannten Regierungsvertreter, der mit den Ermittlungen vertraut sei. Es gebe aber bisher keine Hinweise, dass der 23-Jährige wirklich über Verbindungen zu organisierten Terrorgruppen verfüge. Trotzdem wird der Fall in den USA ernst genommen. Beispielsweise wurden die Sicherheitskontrollen an Flughäfen sofort verschärft.

"Es ist noch zu früh, zu sagen, welche Verbindungen er hat", zitierte auch die New York Times einen Anti-Terror-Fahnder. "Zum jetzigen Zeitpunkt sieht es so aus, als habe er allein gehandelt, aber wir sind uns noch nicht sicher." Die Behauptung des Nigerianers, mit der al Qaida in Verbindung zu stehen, "könnte auch einem Wunschdenken entsprechen".

Unklar ist, was für eine Substanz der Mann in Brand setzen wollte. Wie ein Mitarbeiter des Heimatschutzministeriums sagte, sei die Substanz "eher brennbar als explosiv" gewesen. Offenbar habe der Täter das Flugzeug in Brand stecken wollen.

Das Intel-Institut in Washington, das sich auf die Auswertung von terroristischen Internet-Seiten beschäftigt, sprach von einem "ernsthaften terroristischen Anschlagversuch". Der Täter habe offensichtlich Verbindungen zu al-Qaida-Organisationen im Jemen und in Nordafrika unterhalten, hieß es. Falls sich dies bestätigten sollte, wäre es der zweite Anschlagsversuch auf ein US-Flugzeug zu Weihnachten seit 2001. Damals hatte der später als "Turnschuhbomber" bekanntgewordene Brite Richard Reid auf dem Flug von Paris nach Miami versucht, einen in seinem Schuh versteckten Sprengsatz zu zünden. Er wurde von der Flugzeugbesatzung und Passagieren überwältigt und im Januar 2003 von einem US-Gericht zu lebenslanger Haft verurteilt.