Auch in der Führung Irans hat sich das Misstrauen gegen die USA tief eingefressen, zudem saugt sie aus der Gegnerschaft zum Westen dringend benötigte Legitimität. In einer Studie vom Frühsommer über die Aussichten auf eine Verbesserung der Beziehungen zwischen Teheran und Washington stellte die angesehene International Crisis Group fest: "Feindschaft gegenüber den USA ist eine der Stützen des Regimes... Je größer die Spannungen, desto leichter können Unterstützung im Lande mobilisiert, Dissidenten unterdrückt und die Einheit der Nation gegen einen gemeinsamen Feind proklamiert werden." Die inzwischen offenkundige Autoritätskrise des Regimes hat seine Bereitschaft auf die Angebote Washingtons einzugehen, noch drastisch weiter vermindert.

Wie die Kritiker Obamas im Westen wollen auch die Herrscher in Teheran keine Entspannung, sondern weiter machen wie bisher. Das wäre in der Tat die richtige westliche Strategie, wenn man sich mit der Entwicklung in Iran und dessen Heranschleichen an eine Atombomben-Option abfinden will; es wäre der Verzicht auf jeden Einflussversuch. Wer dagegen, wie Präsident Obama es zu Beginn seiner Amtszeit ankündigte, auf die Vorstellungen der Teheraner Führung und ihrer Bürger einwirken will, muss das Engagement mit Iran glaubhaft suchen und beharrlich verfolgen. Nur dann könnte es zu einer Veränderung im Verhältnis zwischen dem Westen und Iran kommen, die auch eine Eingrenzung des Atomprogramms möglich macht.

Falls Obama in wenigen Tagen sein Entspannungsangebot aufkündigt, würde als bloßer PR-Trick enttarnt, was am Jahresanfang als neue Strategie präsentiert wurde. Seine Iran-Politik wäre gescheitert, weil sie nicht ernsthaft versucht wurde. Und was dann?