Im Februar verkündete Präsident Obama, Amerika sei bereit, über alle offen stehenden Fragen mit Teheran zu reden – auf der Grundlage gegenseitigen Respekts. Dann aber gab der Präsident israelischem Drängen nach und sagte zu, er werde alles Ende des Jahres überprüfen. Inzwischen wird Obama von seinen eigenen Mitarbeitern wie von europäischen Verbündeten auf dieses Datum festgenagelt: Am 31.Dezember soll, wenn es nach ihnen geht, die "ausgestreckte Hand" wieder zur Faust geschlossen werden. 

Wäre es in der Politik damit getan, sich Emotionen hinzugeben, der Fristablauf wäre nur zu verständlich. "Wir haben", sagt ein hoher Beamter der US-Regierung, "Iran auf allen Ebenen unsere Gesprächsbereitschaft signalisiert. Wir sind ohne Antwort geblieben". Angesichts des anhaltenden brutalen Vorgehens gegen die iranische Opposition im Gefolge der Juni-Wahlen, verbunden mit dem weiteren Ankurbeln von Teherans Atomprogramm,  kann man sich ohnehin nur mit zusammengebissenen Zähnen noch für Entspannung mit der Islamischen Republik  und ihren dubiosen Führern aussprechen.

Wie viel einfacher ist es doch, der Entrüstung nachzugeben, zu der vertrauten Feindschaft und den vertrauten Zwangs- und Drohmitteln zurückzufinden und darauf zu hoffen, dass das Regime demnächst zusammenbricht! Nur wäre damit gar nichts gewonnen. Natürlich wäre es schön, wenn die gegenwärtige Führung und ihre Handlanger vom Volk demnächst aus dem Amt gejagt würden. Aber so rasch stürzen autoritäre Machtapparate nicht. Natürlich wäre es schön, wenn neue Wirtschaftssanktionen, an denen Washington mithilfe seiner europäischen Partner zurzeit bastelt, die Regierung in Teheran endlich zum Stopp ihres Atomprogramms veranlassen würden. An die Wirksamkeit von Sanktionen zu glauben, grenzt jedoch an die Hoffnung auf den Weihnachtsmann.

Denn darin sind sich Shireen Ebadi, die mutige iranische Menschenrechtlerin, und John Bolton, der Mann fürs Grobe in der Iran-Politik der Bush-Administration, einig: Sanktionen werden zwar der Bevölkerung schaden, die Regierung in Teheran jedoch von der Fortführung ihres Atomprogramms keinen Deut abbringen.

Das Ziel, Iran zur Zusammenarbeit mit dem Westen zu veranlassen oder auch nur das Atomprogramm zu bremsen, hat nur dann überhaupt noch eine Chance, wenn Präsident Obama seinem ursprünglichen Ansatz treu bleibt und sich weder durch den Ablauf willkürlich gesetzter Fristen, die verbreitete Skepsis im eigenen Land noch die manifeste Hässlichkeit des Teheraner Regimes davon abbringen lässt.

Gerade die Europäer, im Kalten Krieg die Hauptnutznießer der Ost-West-Entspannung, müssten es doch besser wissen. Wer wäre denn damals auf die Idee gekommen, den Versuch, die Sowjetunion durch Abschreckung und Entspannung einzuhegen, auf ein paar Monate zu befristen! Nur mit Geduld, Durchhaltevermögen und diplomatischem Geschick konnte der Boden für Verhandlungen und schließlich Vereinbarungen mit Moskau bereitet werden, für rasche Erfolge saß das Misstrauen viel zu tief.