Angebliche Pläne des Verteidigungsministeriums zur Aufstockung des Bundeswehr-Kontingents in Afghanistan haben die Debatte über die künftige Strategie der Bundesregierung in Afghanistan befeuert. Die Nachrichtenagentur dpa will erfahren haben, dass Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) im Kabinett die Aufstockung des deutschen Kontingents um möglichst 1500 Soldaten durchsetzen will. Dies widerspricht klar den Vorstellungen von Außenminister Guido Westerwelle (FDP), der mehr Soldaten für Afghanistan kategorisch ablehnt.

Die dpa beruft sich in ihrer Meldung auf "hohe Angehörige des Ministeriums", wonach im Bundeswehrmandat für Afghanistan eine Obergrenze von 6000 Soldaten formuliert werden solle. Nur so könne eine realistische Abzugsperspektive eröffnet werden. 500 dieser 1500 Soldaten sollen dem Bericht zufolge als "Reserve" eingeplant werden, damit die vom Bundestag zu beschließende neue Obergrenze nicht gleich wieder ausgeschöpft werde. So könne man mit Blick auf Kritiker von nur "knapp unter 1000" Soldaten mehr sprechen. Derzeit sind rund 4300 deutsche Soldaten am Hindukusch im Einsatz, die Mandatsobergrenze von 4500 Soldaten ist damit fast ausgeschöpft

Die Meldung wurde vom Verteidigungsministerium umgehend dementiert. "Dies ist reine Spekulation", sagte ein Ministeriumssprecher ZEIT ONLINE. Allerdings hat das Verteidigungsministerium auch in der Vergangenheit ähnliche Meldungen zunächst dementiert, obwohl sie sich später als richtig herausstellten.

Nichtsdestotrotz dürfte es sich als schwierig erweisen, im Kabinett eine Aufstockung auf 6000 Soldaten durchzusetzen. In bisherigen Gesprächen hat Außenminister Westerwelle die Verstärkung der deutschen Kampfeinheiten in Afghanistan stets abgelehnt. In Medienberichten war davon zu lesen, dass die regierungsinternen Verhandlungen darüber deshalb zum Stillstand gekommen seien und fieberhaft nach einem Ausweg aus der Blockadesituation gesucht werde.

Zu Guttenberg selbst will sich bislang nicht öffentlich festlegen, ob er sich mehr Soldaten für Afghanistan wünscht. In der ARD sagte er am Freitagmorgen, konkrete Obergrenze für die Truppen werde es kommende Woche geben. Er schloss aber weder die von den USA geforderte Aufstockung aus noch eine Lösung innerhalb der bisherigen Obergrenze von 4500 Soldaten.

Die USA wollen in Afghanistan zusätzlich 30.000 Soldaten einsetzen und so für eine Wende im Kampf gegen die Taliban sorgen. In diesem Zusammenhang hatten sie von Deutschland 2500 zusätzliche Soldaten gefordert. Diese Zahl hat aber auch zu Guttenberg schon als unrealistisch bezeichnet. Sie ist weder im Kabinett durchsetzbar, noch könnte die Bundeswehr eine derartige Vergrößerung logistisch stemmen.

Der ehemalige Regierungspartner SPD spricht sich ebenfalls gegen eine Erhöhung der Obergrenze aus. SPD-Chef Sigmar Gabriel fordert darüber hinaus einen Abzug der deutschen Truppen ab 2011. Verteidigungsminister zu Guttenberg lehnt es dagegen ab, ein konkretes Abzugsdatum zu nennen:  "Wir wollen den Beginn festlegen", sagte er. "Das Abzugsende bereits festzustellen würde bedeuten, dass man jenen in die Hände spielt, die dann wieder die Uhren zurückdrehen wollen und die im Grunde nur warten, bis der letzte internationale Soldat Afghanistan verlässt", sagte er.

Bundeskanzlerin Angela Merkel will vor der Afghanistan-Konferenz am 28. Januar in London eine Regierungserklärung im Bundestag zu den deutschen Plänen abgeben.