In die von Gewaltausbrüchen geplagte nigerianische Stadt Jos ist ein brüchiger Friede eingekehrt. Nach tagelangen heftigen Zusammenstößen zwischen muslimischen und christlichen Gruppen wurde die zuvor ganztägige Ausgangssperre auf die Abend- und Nachtstunden beschränkt. Armeechef Oberstleutnant Shekari Galadima sagte der BBC, die Gewaltausbrüche seien eingedämmt. Viele Menschen blieben aus Furcht vor neuer Gewalt jedoch in ihren Häusern oder flohen in Nachbarorte, berichteten nigerianische Medien.

Über die Zahl der bei den Unruhen getöteten Menschen gibt es widersprüchliche und offiziell nicht bestätigte Meldungen. Während die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch von mindestens 200 Toten ausgeht, ist in anderen Berichten von fast 500 Toten die Rede. "Wir wissen nicht, wie viele Tote es sind, weil die Menschen noch die Leichen bergen", sagte Blessing Ejofor vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Abuja. "Die Zahlen, die derzeit im Umlauf sind, sind nicht korrekt."

Am Donnerstagmorgen habe das nigerianische Rote Kreuz 18.000 Flüchtlinge gezählt. Da sich die Lage in der Stadt Jos dank der massiven Präsenz von Polizei und Armee aber deutlich entspannt habe, gingen die Helfer davon aus, dass viele der Flüchtlinge bald wieder in ihre Häuser zurückkehrten. In einigen Vororten sei auch am Donnerstag noch gekämpft worden, hieß es in Berichten.

Viele Geschäfte und Häuser in der Innenstadt von Jos wurden bei den seit Sonntag andauernden Kämpfen niedergebrannt, berichtete die Zeitung The Punch. Der örtliche Polizeichef sprach von schweren Schäden.

Es ist unklar, was der Auslöser der Zusammenstöße war. Während laut BBC einige Quellen von einem Gewaltausbruch nach einem Fußballspiel berichten, heißt es aus anderen Quellen, die Auseinandersetzungen hätten sich an einem Streit um den Wiederaufbau von Gebäuden entzündet, die bei ähnlichen Auseinandersetzungen im Jahr 2008 zerstört worden waren.

Die Abgeordneten des nigerianischen Senats hatten am Mittwoch eine Ausrufung des Notstands in Jos abgelehnt. Sie forderten jedoch, die Empfehlungen verschiedener Untersuchungskommissionen, die sich mit vorangegangenen religiösen Unruhen in Jos befasst hatten, endlich umzusetzen. Schon im Jahr 2001 sowie im November 2008 hatte es in der zentralnigerianischen Stadt ähnliche opferreiche Kämpfe zwischen Muslimen und Christen mit hunderten Toten gegeben. 

Die BBC erreichten mittlerweile Schilderungen von neuen Auseinandersetzungen in der etwa 100 Kilometer entfernten Stadt Pankshin. Ein Sprecher der Regionalregierung wies diese allerdings als "Gerüchte" zurück.